Peru, Wueste und Wasser

Die Tage werden kuerzer, die Sonne brennt mehr und mehr in meinem Nacken - alles anzeichen das ich mich mehr und mehr nach Sueden in den letzten Wochen vorgeschoben habe. Die Loecher in meinem letzten verbliebenen T-Shirt werden groesser und groesser, so dass ich jetzt ganz punktgezielten Sonnenbrannt am Ruecken habe. Es wird Zeit das Shirt umzudrehen, es wird Zeit nach Peru zu kommen. Somit gingen die letzten Tage in Ecuador vorueber und ich erreichte irgendwann die Grenze. Eine kleine Extrarunde durfte ich allerdings noch drehen, bevor ich Ecuador verlassen wollte. Ich habe doch glatt den Grenzposten, der hier 8km vor der Grenze und vorm letzten Ort liegt, uebersehen. Nun stand ich also an der Grenze und hatte keinen Ausreisestempel. Da half alles nichts und ich schaffte sogar fast noch die 1000km in Ecuador zu knacken. Ein paar Kilometerchen hinter der Grenze gabs ohne Probleme die Einreise nach Peru. Erstaunlich, wie sich in den letzten Jahren die Grenzueberschreitungen in den 2. und 3. Weltlaendern verbessert haben und wie es sich mehr und mehr erschwert, in die 1. Welt einzureisen - durchgeknallten Regierungen und Terroristen sei Dank!

Am Tag meiner Einreise in mein 11 und letztes Land dieser Tour fuhr ich bis zur erst groesseren Stadt im nordwesten. Tumbes und Umgebung waren gruener als ich es aus Buechern gelesen hatte. Eigentlich hatte ich mir vorgestellt, bereits mitten in einer hitzetreibenden Wueste zu sein, aber heftigen Regenfaellen sei dank, war die Landschaft in eine Grassteppe mit Reisfeldern verwandelt. Hinter Tumbes war der Suedliche Stille Ozean erreicht und auch die stark verwitterten Wuestenhuegel. Fuer einen Tag saeumte sich die Panamericana entlang lieblich daliegenden Straenden, die bei relativ angenehmen Temperaturen und strahlen blauem Himmel menschenleer dalagen. Ich passierte so lieblich klingende Oertchen wie Los Organos und strampelte vorbei am Punta Sal. Das graue Asphaltband neigt sich nun langsam aber stetig Land einwaerts, doch es gibt Optionen. So zum Beispiel biege ich ab zum Cabo Blanco, einst eine Szene fuer Hemingways "Der alte Man und das Meer", heute Szene fuer Bohrinseln und Oelpipelines. Ich passierte einige Kontrollpunkte der ansaessigen Oelgesellschaft, wurde aber niemals gehindert, meinen Weg fortzusetzen. Ab und an kam ein staubaufwirbelndes Allradfahrzeug vorbei, was die Techniker und Mechaniker von einer maroden Oelfoerderanlage zur naechsten immer auf trab haelt. Im Gegensatz zu den gesehenen kolumbianischen Oelfoerderanlagen war das hier ein Witz! Ich kaempfte mich durch Treibsandfelder und dachte mir, es mit dem nahen Strand mal zu versuchen. Doch das fortkommen dort war ein richtiges Desaster. Ich war umzingelt von tausenden von Krabben, die wie Ballerinas leichtfuessig auf dem Sand vor mir auswichen, als wuerden sie dabei kichern, wie das schwerbepackte Monster sich stapfend durch den Sand plagt. Zurueck auf meiner Sandpiste quaelte ich mich mit metertiefen Auswaschungen, die die Piste ab und an durchschnitten. Nach einigen Stunden stand fest, ich wuss mich noch einmal an die Panamericana hangeln, bevor ich die Wuestenstadt Talara erreichen wuerde.

   Auf abgelegenen Wegen zur Oasenstadt Talara

Eine Nacht trennte mich nur noch vom westlichsten Festlandspunkt Suedamerikas. Diese Nacht wollte ich campenderweise unweit von einigen Fernmeldesendemasten verbringen. Ein Armeestuetzpunkt war auch nicht weit. Ich wuerde also in besten Handen aufgehoben sein, dachte ich. Die Sendemasten werden Stunden bewacht. Der Wachmann der sich es gerade gemuetlich fuer seine Nachtschicht machen wollte, sah mich und wusste gleich mal ausspionieren, was da im Busch abgeht. Nach einigem hin und her wollte er mich letztlich vertreiben, doch mein Zelt stand schon und die Muecken fingen an, mich zu unortodoxen Bewegungen zu treiben. Da dachte dich der Wachmann vielleicht, es ist Zeit sein Flinte zu holen. Wieder zurueck gab er mir noch eine Warnung und lad in Cowboymanier durch um seine Entscheidung mich zu vertreiben, zu unterstreichen. Ich dachte, das ist doch jetzt ein Witz oder? Mitten in der Wueste mir den Platz fuer mein Zelt zu verwaehren, was nach  Stunden sowieso wieder verschwunden ist. Ich fragte ihn, ob er mich jetzt erschiessen muesse, weil ich jetzt naemlich ins Bett gehe und mich hier nach meinem harten Tag auf gar keine Diskusion mehr einlassen wollte. So habe ich als Abschiedsgruss noch gesagt, er sollte mir die Polizei und seinen Vorgsetzten herschicken. Das ist natuerlich eine bescheidene Situation fuer den Wachmann, mich jetzt einfach umzuknallen, nur weil ich schlafen gehen wuerde, was sicher kein direkter Angriff auf seinen Sendemasten darstellt, oder mal ein bisschen runterzurudern und die Wumme zu entladen. Fuer diese Sekunden schoss mein adrenalinpegel ziemlich in die hoehe, denn innerlich hoffte ich natuerlich, er wuerde die richtige Entscheidung treffen und nicht das ballern anfangen. Ich sollte recht behalten, denn er sagte ploetzlich, ich koenne bleiben, aber ich waere unter Zeltarrest. Dieser Arrest wurde nun stuendlich die gesamte Nacht durch kontrolliert, dadurch war an einen erholsamen schlaf schon gar nicht zu denken. Gluecklicherweise ging auch diese Nacht vorueber und ich wagte erste behutsame Schritte aus dem Zelt, als das Morgengrauen einsetzte, um meine drueckende Blase zu entleeren.

Hinter dem Punta de Balcones, dem westlichsten Punkt ging’s wieder auf wildwest Piplinepiste weiter, bis ich im Sand stecken blieb. Ueber die einzelnen Servicestressen zu den Oelbrunnen schlaengelte ich mich im Zickzack nach dem Motto, zwei Schritt vor ein zurueck, nach Sueden. Bei Miramar erreichte ich ein gruenes Flusstal mit Reisfeldern und schattenspendenden Mangobaeumen. Wunderschoen, dieser Kontreast zwischen den karst schimmernden erodierten Talhaengen und dem saftigen gruen mit seinen Bewaesserungskanaelen. Spaeter landete ich wieder in der Wueste und suchte mir eine weitere Strecke abseits der Panamericana. Diese sollte mich am suedichen Ende der Sechura Bucht nach anderthalb Tagen in einer Sackgasse stecken lassen. Gluecklicherweise musste ich nur 5km vor der entgueltigen Sackgasse mit treten aufhoeren, weil mich ein vorbeifahrendes Auto anhielt, um mir mitzuteilen - die Wueste ist abgesoffen. Abgesoffen? Das war wohl das letzte womit ich hier im trostlosen Nichts gerechnet haette. Durch die anhaltend schweren Regenfaelle an den Westhaengen der Anden druecken dich nun riesige Wassermassen ins Flachland und um die Sandduenen. Dadurch kommt es zu unterspuehlungen die auf einem Abschnitt von ca. 300m die Strasse weggespuehlt hatten. Das Wasser schiesst nun mit einer enormen Stroemung bei 2m Wassertiefe entlang, wo sich einst eine Strasse befand. Wir sind hier in Peru, da kommt sowas schon mal vor. Und vorallem kommt sowas auch schon einmal vor 6 Monaten vor, wobei es innerhalb eines halben Jahres nicht jemand noetig haette, den Strassendamm wieder aufzuschuetten, sondern noch nicht einmal ein Hinweisschild an den jeweiligen Strassenkreuzungen aufzustelen, das diese Strecke unpassierbar sei. Die Autofahrer waren allerdings die von der netten Seite. Die brachten mich doch glatt in gut Stunden Autofahrt auf die andere Seite - schlappe 200km Umweg.

  Freundliche Menschen fahren mich 200km ums Wuestenwasser; kurz darauf passiere ich meinen 10.000sten Tourenkilometer

Nun war es Zeit fuer die erste Besichtigung, einer praekolumbianischen Kultur. Von diesen Kulturen scheint Peru wirklich gut gefuellt zu sein und es gibt Ausgrabungsstaetten quer ueber dieses riesige Land verteilt. Was ich sagen will, es gibt unendlich mehr als nur die Weltbekannte Inkastadt Machu Picchu zu sehen. So zum Beispiel den Señor von Sipan, fuer dessen groessten jemals in Suedamerika ausgebuddelten Goldschatz eigens ein ganzes Musaum in Lambayeque geschaffen wurde. Sehr beeindruckend fuer mich, und fuer jeden Goldschmied, der sich dieses Museum anschaut, sicherlich umhauend, wie praeziese hier feinster Goldschmuck produziert wurde.

   Am Ortseingang von Lambayeque, zu Besuch beim Señor von Sipan

Trujillo kam immer naeher und ich musste doch noch ein letztes Abenteuer einbauen. Eine 3- tages Tour sozusagen. Einmal schnell in die Berge, auf knapp 3000m schlafen und wieder zurueck in die Wueste. Ja, das spiegelt das erlebte sicher nicht ganz wieder, doch dazu werde ich mich spaeter auslassen, sowie ueber die Casa de Ciclistas von Lucho sprechen und natuerlich wie meine erste Begegnung mit Isa in diesem Jahr verlaufen ist. Doch jetzt muss ich erst einmal ganz schnell den Computer verlassen, um in Richtung Galapagos abzuduesen. Auch davon wird es in ca.10 Tagen sicher eine Menge zu schreiben geben.

    Auf 3-Tages Tour in die peruanischen Anden…

    ….wo sind die Wueste sehr schnell verabschiedet und sich eine einzigartige Flora und Fauna ausbreitet