Auf, in die Hoehen Ecuadors

Ecuador, das Land am Aequator, da denkt man sicher automatisch an tropische Hitze mit allem was dazu gehoert. Und hiermit kann ich am 11. Tag in Ecuador auch endlich dieses bestaetigen. Allerdings habe ich mich zuvor erst einmal anderthalb Wochen in das ecuadorianische Andenhochland begeben, in dem ich ja praktisch mit einer Hoehe um die 3000m seit der kolumbianischen Grenze schon war.

Am 20.03.2008 radelte ich also bei fruehlingshaften Temperaturen nach knapp 8500km im 10. Land meiner Radtour ein. Selbst das 4-stuendige Warten fuer die Grenzabfertigung gab mir kein Abflauen der guten Laune. Nach kurzem kraeftigem Anstieg erreichte ich auch gleich Tulcan, die erste Stadt auf ecuadorianischer Seite. Neugierig schaute ich in die ersten Laeden, welche neuen Schlemmereien dieses Land fuer mich bereit haelt. Die Baeckerei ist dafuer immer der richtige Anlaufpunkt emoticon

Ein bisschen Zeit verblieb noch am heutigen Tag, sodass ich gleich einen weiteren maechtigen Anstieg von 20km Laenge auf mich nehmen konnte, um danach wie im Sausewind mit bis zu 80km/h nach San Gabriel einrollen konnte. Den Aequator am Fruehlingsanfang um 12 Uhr Mittags zu besuchen, hatte ich mir nicht zuletzt durch die Verzoegerungen an der Grenze bereits abgeschrieben. So rollte ich weiter tief in das Tal des Chotaflusses hinein. Hier wurde meinem Gedanken von der ecuadorianischen Anden Bevoelkerung, den Indianern mit ihren Panamahueten und Ponchos, mit wachendem Auge auf ihre Lamas, ein kraeftiger Schock versetzt. Ich rollte in Schwarzafrika ein, so kam es mir zumindest vor. Doch alle schwarzen sprachen spanisch?! Ja, es sind die Nachkommen der ehemaligen Sklaven, die afroecuadorianer, die sich hauptsaechlich in diesem Tal niedergelassen haben. Ein ecuadorianer sagte einmal zu mir, auf meiner Herkunft als Europaeer, da gibt es doch viele die Denken, Ecuador liegt in Afrika, weil die Fussball Nationalmannschaft nur aus farbigen besteht. Ich musste ganz schoen schmunzeln…

Nach dem Taleinschnitt durfte ich gleich wieder maechtig in die Pedalen treten, um mich 1000m, oder ein Stockwerk hoeher in die Anden, nach Otavalo, zu begeben. Es was Karfreitag und ganz schoen was los hier. Normalerweise geht der Trubel hier jeden Samstag ab. Das ist, wenn der bei Touristen beliebte und bekannte Markttag statt findet. Die in der Gegend wohnenden Otavalo-Indianer sind bekannt fuer ihre orginellen und vielfaeltigen Webarbeiten. Somit hatte ich auch gleich zwei Dinge auf einen Schlag zu begutachten. Zum einen die Osterprozesion, dessen tausende Menschen am Freitag Abend in den Strassen verfolgten. Zum anderen den Markttag, den ich um 7 Uhr in der fruehe besuchte, um den zu Scharen einfliegenden Touristenstroemen am spaeten Vormittag aus dem Weg zu gehen.

     Otavalo Indianerinnen auf dem Weg zum Markt

Nach Otavalo geht es weiter Bergauf und gleich rueber, ins naechste Andenhochtal, wo schon der Aequator auf mich wartete. Endlich war es also geschafft, und ein vielgehekter Traum ging in Erfuellung. Ich radelte nach 8686km ueber den Aequator. Und ob ich jetzt einen Tag frueher hier gewesen ware oder nicht, wegen dem Mittagssonnenstand, das haette keine Rolle gespielt, denn es war sowieso bedeckt. Dadurch hatte ich auch keinen Blick zu dem maechtigen Cayambe Vulkan, der mit 5790m nicht nur die dritthoechste Erhebung Ecuadors, sondern der hoechste Berg auf der Aequatorlinie ueberhaupt ist. So rauscht ich also in die suedlichen Gefilden unserer Erde, bzw. auf die suedliche Erdhalbkugel ein.

am Aequator

Nun war Quito, die Hauptstadt bereits zum greifen nah, wenn da nicht wieder so ein maechtiger Einschnitt in Form von einer Schlucht waere. Mal eben 1000m runter und drueben wieder hoch, bis ich die ersten Haeuser Quitos bereits ueber die Flanken des 2900m Hochtals ueberquellen sah. Die Badewanne Quito scheint vollgebaut zu sein und nun laeuft sie halt an ihrem Ostrand ueber, so kam mir das vor. An der Westseite verhindert das naemlich die ueber 4600m Hohen Pichincha Vulkane. In Quitos Innenstadt fahren jetzt O-Busse, so wie man das einst von Weimar kannte. Hier als super Erungenschaft gepriesen und als Metro bezeichnet, hat das Quito ein wenig Luft zum Atmen in die Innenstadt zurueck verschafft. Allerdings ist mir der Atem jenseits dieser O-Bus Linie durch das Ausbladen der Dieselrussabgase sosehr stecken geblieben, wie auf der gesamten Reise noch nicht. Wenn die Leute in Deutschland gegen Feinstaub durch Autoabgase wettern, dann fuehlst du dich hier in Quito wie nach der Sprengung in einer Kohlegrube. Die Stadt hat aber, wie schon erwaehnt, gerade in der Innenstadt eine ganz feine Altstadt zu bieten. Hier bezog ich fuer 2 Naechte Quartier, haette die zweite Nacht allerdings nicht gleich bezahlen sollen, weil ich in einem schaebigen Loch unterkam, wo ich mir noch nicht einmal traute die Dusche zu benutzen - und das soll bei meinem durchschnittlichem Hygienestand schon was heissen! Vom im Bett schlafen mal ganz abgesehen… Die dritte Nacht in Quito verbrachte ich dann im "modernen" Zentrum. Zwei Dinge standen fuer mich ganz oben auf der Prioritaetenliste fuer Ecuador. Zum einen die Besteigung einen der Schneebedeckten Vulkane, wenn moeglich den Chimborazo, mit 6310m dem hoechsten. Zum anderen der Besuch der Galapagos-Inseln, eine allseits bekannte Inselgruppe die ploetzlich zum Greifen vor mir lag. Nun verbrachte ich also den letzten Tag in Quito nicht mehr mit der Besichtigung der Stadt, sondern mit dem Durchforsten der Reisebueros, um meine Moeglichkeiten fuer die beiden Unternehmen abzustecken. Am Ende des Tages konnte ich zumindest schon einmal ein Bingo verzeichnen, denn es geht am 18.04. fuer 8 Tage auf die Galapagos Inseln zu einer Kreuzfahrt. Zum Glueck konnte ich das von mir zuvor gesetzte Budget halten, in dessen Rahmen die Besichtigung des Inselarchipels erst moeglich wird. Die zweite Sache, die Besteigung eines Vulkans in 5000 - 6000m Hoehenlagen konnte ich hier noch kein Zugestaendnis geben, weil meine Hoehenakklimatisierung noch nicht soweit vorangeschritten war, um den saftigen Kosten eines Bergfuehrers gerecht zu werden. Somit wollte ich vorher noch einige andere Paesse auf der von Humboldt bezeichneten "Strasse der Vulkane" schlucken.

  Umweltfreuntliche Busse sorgen dafuer, dass das Eis in Quito’s Innenstadt wieder schmeckt

So verliess ich dann Quito mit der Vorfreude auf die Galapagos Inseln im Bauch und radelte auf den Cotopaxi, die Nummer zwei Ecuadors, zu. Hier hatte ich fuer 5 min das Glueck, dessen Schneekappe zu sehen, bevor er sich wieder in den Wolken versteckte. Auf gleicher Hoehe mit dem Vulkan, der uebrigens mit 5897m der hoechste noch aktive Vulkan der Erde ist, erreichte ich mal wieder einen neuen persoenlichen Hoehenrekord mit 3525m. Damit rueckt der "Cerro de la Muerte" von Costa Rica etwas in den Hintergrund, um eine Erkenntnis weiter in den Vordergrund zu schieben, dass naemlich der Cerro de la Muerte nicht der hoechste Strassenpunkt der Panamericana zwischen Alaska und Feuerland war. Das auch dieser 3525m Pass nicht das non plus ultra ist, merkte ich auch gleich am naechsten Tag. Natuerlich gings erst mal wieder mit 1000m kraeftig bergab, sozusagen Luftholen fuer den Anstieg auf ca. 3600m. Hier war ich nun auf gleicher Hoehe mit dem Chimborazo, der sich aber fuer den Moment ebenso sie all die anderen Vulkane meistens ueber einer Woklendenke versteckt. Aber sein mit 5020m hoher Nachbar, der Carihuairazo, zeigte sich fuer Sekunden. Im Tiefflug rollte ich in Riobamba ein, einem Ort, der sich zum Mekka fuer Bergsteiger, Trekker und MTB’ler entwickelt hat. Hier sollte ich eine Agentur finden, die mir eine Besteigung des 6310m Chimborazo-Riesen ermoeglichen sollte. Bei solch einem Unterfangen in gewaltige Hoehen liegt das Risiko des nicht erreichens bei 60%. Davon fallen nur 20% auf schlechte Wetterverhaeltnisse zu buche, der Rest der Umkehrer muss sich damit zufrieden geben, an das maximum seiner Leistungsgrenze und darueber gegangen zu sein, den Gipfel vor sich liegend dennoch den Ruecken zu kehren. Wohin sollte ich gehoeren? Das stand in diesem Moment noch weit in den Sternen geschrieben, zumal ich ja nur einige Stunden mit der erreichten Hoehe von 3600m einen neuen persoenlichen Hoehenrekord verzeichnete.

    ecuadors Vulkane verstecken sich zu dieser Jahreszeit gerne hinter dicken Wolken, und blinzeln doch manchmal durch…

Die Frau in der Agentur gab mir den Ratschlag noch einen weiteren Tag mit der Besteigung zu warten, um in San Pablo, einem Dorf auf 3850m, nahe des Vulkans zu schlafen. Dort gaebe es auch Wanderwege, um auf umligende 4000′er zu steigen. Also radelte ich am naechsten Tag gleich die 37km hoch nach San Pablo, um am Nachmittag noch auf 4300m zu kraxeln. Damit hoffte ich, physisch und mental soweit vorbereitet zu sein, um einen Gipfelsturm zu wagen. Der sollte allerdings noch einen weiteren Tag aus sich warten lassen. Zuvor holten mich erst einmal Raul, mein Bergfuehrer, mit ca. 200 Chimborazo Besteigungen, ein erfahrener Man, und desse Chauffeur, ab. Wir fuhren zum letzten Strassenpunkt am Vulkan auf 4850m. Von hier marschierten wir Zur letzten Schutzhuette auf 5000m, wo wir bis Mitternacht verweilten bzw. schliefen. Der Wecker klingelte bereits 23.00 Uhr. 4 Stunden hatte ich zu diesem Zeitpunkt im Bett gelegen. Ich war so aufgeregt wie ein kleines Kind vor Weihnachten, sodass an schlafen nicht zu denken war. Ausserdem ist auf 5000m die Luft bereits schon maechtig duenn, was mich von einer normalen Atmung abhielt und auf die "dreimal Atmen und einmal tief Luftholen Technik" umsteigen liess. Zum Glueck hatte ich keinerlei Kopf- bzw. Wadenschmerzen, Symptome der Hoehenkrankheit. Die Berghuette hatte sich im Laufe des Abends gut gefuellt. Da waren unter anderem ein Schotte, der bereits auf saemtlichen Gipfels dieser Erde zu gange war, wie es schien. Ein Rumaene, der noch vor 2 Tagen zusammen mit dem Schotten den Cotopaxi bestiegen hatte, eine Spanierin und um Mitternacht noch so manch andere. So zogen die 5 Gruppen mit deren Bergfuehrern gegen Mitternacht, am Tagesbeginn des 29.03.2008 zum Gipfelsturm los. Noch einmal gingen mir die Grabsteine der verunglueckten Bergsteiger respekteinfloessend durch den Kopf, bevor ich die Steigeisen unter die Schuhe schnallte, den Klettergurt fest zurrte und mit Eispickel in der Hand, bewaffnet hinter Raul daher trottete.

  Blick von meinem Quartier in 3840m zum fast Wolkenfreien Gipfel des 6310m Chimborazo, sowie die zur Hoehenakklimatisierung dienende Paramo Wanderung auf 4000m Hoehe

Wir gingen im Schneckentempo, dabei war es noch falch. Spaeter sollte ich feststellen, das dieses Schneckentempo mir wie ein 100m Sprint vorkommen sollte. Doch fuer jetzt war das ein angenehmer Spaziergang, der mich noch nicht einmal ins Schwitzen brachte. Nach kapp einer Stunde gelangten 3 Gruppen zu einem Punkt, wo die Bergfuehrer unterhalten eine Entscheidung trafen, und wegen eines Lavinenganges von der Hauptroute auf eine anspruchsvollere Route umschwenkten. Nun ging es teilweise so richtig steil ueber Felsvorspruenge im Eis, wo der Eispickel nicht mehr als Spazierstock wirkte, sondern einen Aufstieg erst ermoeglichte. Die Nacht war Sternenklar und der Halbmond lauerte bereits hinter der oestlichen Bergflanke. Ein atemberaubendes Panorama lag vor meinen Augen, mit dem dazuhehoerigen Schub Adrinalin in meinen Adern gelangten wir auf 5400m auf einen Grat. Nun sahen wir, dass weiter rechts von uns 2 andere Gruppen mit ihren Stirnlampen am Aufstieg waren. In der naechsten Stunde sollten die Lichter der auf der unserigen Seite Aufsteigenden Gruppen immer kleiner werden, um bald umzukehren. Mit ging es jedoch noch prima, ausser dass Raul meinte, wir waeren erst auf 5500m, dabei dachte ich schon, wir waeren mindestens ueber den Gipfel des Himalaja aufgestiegen. Nun lag eine Gruppe von der rechten Seite direkt vor uns, die sich langsam absetzte, weil ich in der Todeszone das ungute Gefuehl hatte, erst einmal einen Toilettengang einschieben zu muessen. Ganz gleichmaessig Steil zieht sich der Chimborazo nun in die Hoehe. Soweit wie ich auch schauen konnte, am Horizont waren immer nur Schnee und Eis und keine allmaeliches Abflauen der Kruemmung zu sehen. Die Schritte wurden schwerer und schwerer. Der Puls schnellte in die Hoehe, bei jedem Schritt mindestens 10 Schlaege pro Minute. Doch manchmal war ich froh, und das gab mir auftrieb, wenn nicht ich hinten am Seil zog und nach einer Pause heuchelte, sondern Raul zum durchatmen stehen blieb was sich fuer mich bei einem lockern des Seils zeigte. Nun naeherten wir uns der 6000′er Marke. Ich hatte aber schon vor Stunden aufgehoert nach der Hoehe zu fragen, weil das eher einen frustrierenden Effekt auf mich auswirkte. Die 6000m wirkten sich allerdings hinsichtlich meiner Kondition extrem negativ aus. Von nun an tat jeder Schritt weh, wie der eines 80- jaehrigen der vor Altersschwaeche aus dem Rollstuhl kaempfend den Weg zur Toilette sucht. 10 Schritte laufen undeine Puls haben, der voermlich explodiert, das sind neue Erkenntnisse fuer mich!

  Die Whymer Huette in 5000m ist Ausgangspunkt fuer die Besteigung des im Hintergrund liegenden Gipfels, bei dem in 6000m Hoehe die Luft exterem duenn zum Atmen wird.

Die Nacht verzog sich stillschweigend und das erste Tageslicht rueckte naeher. Es ging auf 6 Uhr zu, 6 Uhr, das hiess mindestens 2 Stunden extremer Quaelerei lagen hinter mir und eine weitere musste folgen, sollte ich den Gipfel erreichen. Wie im Delirium stapfte ich weiter, nur um auf die Frage von Raul nach meinem Zustand einen Daumen nach oben zu zeigen. Nur nicht jetzt aufgeben, der Gipfel ist keine Stunde mehr entfernt, ich muss es schaffen! Endlich kam ein kommentar von Raul, es sei nicht mehr weit. Und tatsaechlich liess die Steigung bald darauf etwas nach. Ich dachte es waere geschafft. Aber von der anderen Gruppe die vor uns lag, war nichts zu sehen. Da erblickte ich den wirklichen Gipfel etwas weiter linker Hand, der durch eine kleine Senke zu erreichen war.  Fuer einen Moment dachte ich Raul wuerde jetzt umdrehen, ich haette es gefuehllos hingenommen. Aber dann bog er doch noch in die Senke ein, um die letzten Schritte zum Gipfel in Angriff zu nehmen. Es war geschafft! Wolkenumgeben stach die 6310m hohe Spitze des Chimborazo heraus. Um 6.51 Uhr sank ich in die Knie und heulte einfach nur, nach solch einer Verausgabung wie ich sie in meinem Leben nicht haette vorstellen koennen. Wir machten ein Gipfelfoto, tranken bei angenehmen -6 Grad einen Schuck heissen Tee, assen etwas Schokolade. Nach 20min stand ich wieder auf, kotzte alles wieder aus und machte mich auf eine 2-stuendige Abstiegstour gefasst. (Das Gipfelfoto gibt’s in der englischen Version)

Zurueck auf 5000m Hoehe, in der Schutzhuette, legte ich mich pratsche breit auf die Bank, atmete fuer 20min tief durch, schnappte mir meine restlichen Sachen und rutschte zur 4850m Huette. Nochmals eine Stunde Erholung goennte ich mir, bevor es mir bei den 4 Grad zu kalt wurde. Leider musste ich ja meine schoenen warmen Sachen in Kolumbien zurueck lassen und die Ausruestung der Besteigung musste ich nun auch wieder abgeben. Gegen Mittag sass ich also auf knapp 5000m in den Startloechern, um maechtig an Hoehe und damit Kaelte zu versenken. Nach 105km zog ich auf 2200m Hoehe die Bremsen, um Tags darauf voellig aus den Anden ins westliche Schwemmland abzufahren.

Road map Colombia

I rode 1646km through Colombia, that add’s up to a total of 8484km until ecuadorian border

Angriff der roten Blutkoerperchen

Seit ueber einer Woche bewege ich mich nun schon in hohen Gefilden. Die Anden, ein echt tolles, unbeschreiblich und unvergessliches Erlebnis. In meinen kuehnsten Traeumen haette ich mir diese faszinierende Bergwelt nicht vorstellen koenne. Das Tal des Magdalena verengte sich nun zusehens. Die Andenauslaeufer rueckten immer naeher und zwangen mich schliesslich in den Schleichgang. Das geschah vor San Agustin, einem herrlichen Oertchen in 1700m Hoehenlage, nur etwa 30km abseits meiner Hauptroute. San Agustin ist ebenfalls wie Honda ein Touristenort. Nur das ich hier auch mal auf auslaendische Touris traf, was seit Cartagena nicht mehr der Fall war. Auf meiner schlechten Strassenkarte war bei San Agustin der "Parque Archeologico San Agustin" vermerkt. Was sich genau dahinter verbarg, konnte ich nur schwer erahnen. Letztlich war ich doch sehr positiv ueber den Park ueberrascht. Es gibt eine ganze Reihe Ausgrabungen zu bestaunen, die alle samt unter dem Schutz des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen sind. Teils riesige Skulpturen kamen bei den Ausgrabungen der vergangenen 80 Jahre zum Vorschein. Sowie eine sehr interessant angelegte Waschanlage, die in das Gestein eines Flussbetts eingemeisselt wurde.

      Skulpturen der San Agustin Kultur

Als Hoehepunkt gab es eine Ausgrabung auf einem angrenzenden Berg zu bestaunen, von wo ich die tolle Aussicht auf die fruchtbaren Talhaenge um San Agustin genoss. Ich erreichte den Ort bereits Tags zuvor und hatte von einer "Casa de Ciclistas" erfahren. Das Haus steht offen fuer vorbeikommende Tourenradler, so wie ich. Leider stand das Haus nicht offen, denn niemand war zu Hause. Jedoch gibt es grosszuegig angelegte Ueberdaecher, unter denen es sich hervorragend schlafen laesst und die auch noch genug Platz bieten, um mein mittleweile voellig verschmutzt und durchnaesstes Zelt ueber eine Leine zu haengen. Bei genauem erkunden fand ich sogar eine Toilette und eine Dusche unverschlossen vor. Damit hatte ich auch schon alles was ich brauchte, denn den Duschraum funktionierte ich kurzer Hand als Stauraum fuer Fahrrad und Sachen um. Mit einem Vorhaengeschloss davor konnte ich also unbeschwert den Tag im Park herumschlendern und ebenfalls den Ort besichtigen.

           ganz vorbildlich wird in Kolumbien auch zwischen vollgefederten MTB’s und Rennraedern auf Warnschildern unterschieden. Man will ja wissen, mit wem man es zu tun bekommt…

Die Casa wurde von den deutschen Igel und Paola nach Beendigung ihrer Radtour errichtet. Eine sehr gute Idee wie ich finde. Und ueber’s Internet findet man noch eine Reihe anderer Casa de Ciclistas, die sich in Lateinamerika verteilen. Vielleicht werde ich zum Ende meiner Radtout noch eine weitere Casa in Peru ansteuern. Davon hatte mir naemlich bereits der Pole Tomasz berichtet, den ich in Guatemala traf. Gegen ende des Tages kehrte ich zur Casa zurueck. Ein Columbianer ueberholte mich auf dem Privatweg und wir kamen ins Gespraech. Es war Teo, der Nachbar von Igel und Paola, der in ihrer Abwesenheit das Grundstueck auf Vorderman haelt und nach dem rechten schaut. Ich erzaehlte ihm, das ich hier letzte Nacht bereits geschlafen haette und meine Sachen in der Dusche eingeschlossen hatte. Teo besorgte mir kurzer Hand den Schluessel fuer die Kueche, denn diese soll ebenfalls den Radfahrern zur Verfuegung stehen, auch wenn die Eigentuemer nicht da sind. Das fand ich sehr nett, auch wenn ich die Kuechenutensilien nicht benutzen musste, so konnte ich doch von nun an die Dusche zu ihrem eigentlichen Zwecke wieder frei geben und meine Sachen in der Kueche lagern. Abens sass ich noch lange auf der Terrasse und schmoekerte in aelteren "Spiegel" Ausgaben und lass mir in einem Kolumbien Reisefuehrer ein paar mehr Informationen ueber Land und Leute an. So kam es, das ich letztlich drei Naechte dort zubrachte und meinen Beinen noch eine extra Pause beschehrte, bevor es so richtig in die Anden-Achterbahn gehen sollte. Eine Andere Sache die jedem Radler der die Casa bezucht zu teil wird, ist die pflanzung eines Baumes im Garten. So zogen Teo und ich mit dem von mir auf die schnelle angefertigtem Namensschild, bewaffnet mit einem Spaten und einem kleinen Obstbaeumchen los, um eine geeignete Stelle fuer die Pflanzung am Hang zu finden. Teo zeigte mich auch ein paar Baeumchen von anderen Radfahrern. Mal sehen, wenn ich das naechste mal komme, kann ich vielleicht schon bei der Ernte mithelfen…

           Namensschild fuer den Baum bei der Casa de Ciclistas

Voller Energie getankt verliess ich San Agustin am 16.03. und radelte mal 10km hoch, mal 10 runter die 160km nach Mocoa in einem Stueck. Dabei bewegte ich mich in Hoehen zwischen 290 bis 2100m. Alles war sehr einfach zu fahren und ich rollte auf klasse ausgebauten Strassen dahin. Doch in Mocoa hoert die Welt dann auf. Auf Schotter geht es 10km bis zu einer Kreuzung, wo man sich entscheiden muss. Entweder nach links, weiter ins Amazonas Flachland und in die Dschungelgrenzregion zu Ecuador und damit in das von Guerilla belagerten Gebiet, oder nach rechts, in eine schier unendlich erscheinende gruene Mauer der Anden. Das sollte wohl mein Weg sein, der Weg nach Pasto. Unmittelbar nach der Abzweigung wird es auch schon ernst und die Piste gewinnt zusehens an Hoehe. Nach 15min war dann erst einmal kurzzeitig eine Pause drann, nich weil ich schon ausser Atem waere, sondern weil ich einen Platten im Hinterrad verspuerte. Ich riss mir auch gleich bei der Suche nach dem "etwas" im Mantel den Finger auf. 2 kleine Metalnadeln hatten sich durchgebohrt. Nun war es schon Mittag und ich wusste nicht, wo es mich fuer heute Nacht hinverschlagen sollte. Vor mir sah ich nun in bereits schwindelerregender Hoehe die Antennen von El Mirador. Diese Strecke ist wirklich nichts fuer Nervenschwache. Des oefteren verengte sich die Piste, bedingt durch Erdrutsche. Einige Male musste ich mit dem Rad durch die Fluten eines abstuertzenden Gebirgsflusses pfluegen, bei dem meine Lowridertaschen "Land unter" meldeten. Zig mal musste ich in Ausweichnischen fahren, um dem Schwerlastverkehr freie Fahrt zu gewaehren. Jedesmal wenn ich das donnern eines LKW’s hoerte, dachte ich, meine Guete, wie kann man nur mit solchen Fahrzeugen auf dieser Strecke unterwegs sein. Die gleichen Blicke erntete natuerlich auch ich von diesen Fahrern, die teilweise Kopfschuettelnd abwinkten oder vor erbarmen mir einen Platz auf ihrer Ladeflaeche anboten. Doch ich fuehlte mich Pudelwohl und konnte alle Angebote ausschlagen. Geschlagen habe ich dann auf 1900m Hoehe, mitten im Gebirge bei einem Steinbruch, der fuer Strassenausbesserungsmassnahmen angelegt wurde. Weiter ging es tags darauf Erbarmungslos nach oben, bis ich irgendwann den Blick in ein 2000m hoch gelegenes Hoehental frei bekam. Nun ging’s wie im Sausewind 15km runter, 20km ueber die Ebene und danach endgueltig hoch auf 3250m in den Paramo. Ein Soldat berichtete mir, jetzt gehts nur noch runter bis Pasto. Damit rueckte der Ort sogar noch heute in greifbare Naehe. Doch weit gefehlt, Herr Soldat, da gibt’s naemlich noch ein weiteres Hochtal in 2600m Hoehe und danach gehts nochmal rauf auf 3100m. Aber davon hat der Soldat wahrscheinlich noch nie etwas gehoert. So musste ich eine weitere Nacht auf halber Strecke campieren.

           vom oberen Magdalenatal in die luftigen Hoehen der Anden

In Pasto hielt ich mich dann auch gar nicht lange auf und fuhr die 20km schnurstracks Bergauf. Von nun an allerdings wieder auf bestem Strassenbelag, dem Belag der Panamericana. Begleitet wurde ich von tausenden Pilgerern, die sich am Gruendonnerstag auf den etwa 80km langen Marsch nach Ipiales aufmachten. Ich konnte nicht genau herausfinden, wo sich die Pilgerstaette befand, allerdings pilgerten die Leute Tag und Nacht, wie es schien - Pausenlos! Ich goennte mir bei Sonnenuntergang jedoch noch eine letzte Pause und ein letztes Zeltlager nun mittlerweile hoch ueber dem Cañon, bevor es am Karfreitag zum Grenzuebergang nach Ecuador weiterging. An jenem letzten Tag in Kolumbien war ich noch zusaetzlich von hunderten von Radsportlern begleitet, die gemeinsam mit mir die letzten Hoehenmeter hinauf nach Ipiales keuchten. Fuer mach einen Radsportler war das allerdings ein frustrierendes Erlebnis, wenn ich mit meinem schwer bepackten Drahtesel wie eine Dampflock mit 10km/h an ihnen vorbei schnaufte. So manch einer verausgabte sich bei dem Unternehmen, sich nicht von so einem, mit zerrissenen Klamotten daherkommenden Radnomaden, abhaengen zu lassen. Die etwas fitteren Radsportler schwaetzten ein wenig mit mir, gaben mir einen Powerriegel und zogen an mir vorbei, als ob ich stehen wuerde. So manchmal dachte ich, wie wuerde das jetzt sein, wenn ich mein vollbepacktes 65kg schweres MTB gegen ein 10kg leichtes Rennrad eintauschen koennte.

       ein letztes mal werde ich noch wach… und dann koennte ich auch schon wieder fast einschlafen beim Warten fuer die Stempel

So erreichte ich nach 3 Wochen Kolumbien die ecuadorianische Grenze und wartete bei starkem Osterreiseverkehr 4 Stunden fuer die Stempelei - was lange waehrt, wird gut, und so erreichte ich ohne groessere Zwischenfaelle Ecuador, das 10. Land meiner Lateinamerika Tour. Und nach ueber einer Woche in entsperchenden Hoehenlagen vermehren sich die roten Blutkoerperchen weiterhin ganz praechtig in meinem Blutgefaesssystem…

Colombia

Long time no news, but I’m still around, alive and not captured. I got land under my feet in Cartagena on Feb. 29th. Oh, it wasn’t easy to walk. Being 5 days on a sailboat must have change some balance feelings in my brain. I had my bike fortunatly and could ride instead to walk into the old city. The day was facing an end and I had to ask around a few times until I had my room at a Hotel. Yeah, it feels great taking the first shower in a while, scraping off all the salt of my skin, making laundry and and and…

 fortress San Felipe, Cartagena

And watching TV! It’s not the first thing I usualy do though, but I heard some news about FARC Guerilla gets killed by colombian army on ecuadorian territory. Was that the way I wanted to take? I guess, because Venezuelas President Chavez freaked out and closed the border to Colombia. Well, let’s roll dude - that’s what I thought, and things are getting smoother with time. Colombia is huge and it would take me probably three weeks until I would reach danger zone. And that’s how it finally happend. Everybody is friendly with each other.

 one less FARC guerilla…

I had a few different choices how to get south. The Andes split immediatly after the ecuadorian border in the south in three cordilleras. But most of the roads are winding up in the mountains, where the climate isn’t that hot and more comfortable. Beside the big cities Cartagena and Baranquilla at the caribbean coast, most of the major cities are way above 1000m. I knew, I get a bunch of mountains anyways. That’s way I decided to ride into the only possible slot, between the east and central cordillera. It’s the valley of the Rio Magdalena, the longest river of Colombia. But there is no valley where it’s merged into the caribbean. There is hundreds of miles lowland and it gets down to 25m below sealevel. Everything is flooded for 10 months a year. There is no wind, what makes the heat unbearable. Thousends of mosquito start hunting for your blood when dusk arrives. Those people who live here are really poor - and not for just dealing with heat and bugs.

In the middle of everything is Mompox, a old colonial town. I thought, why have the spanish build a town right here. I got the answer a couple of weeks later. It was in times where the Magdalena river was the only connection between Bogota and the sea. I wonder anyways, how did they managed to get up this intense currant…  I was expecting seeing some tourists here, but nothing. Maybe Mompox is too far off the way, because after the town is the end of paved roads. From now on it’s loam, which rides fine when dry. That was the case at the beginning but it would change within one night. That’s when I lost not even the smooth surface, I lost half of my clothing equipment to a thief. So, don’t think where is no tourists at all, there were no thiefs. The guy actually wanted my bike, but could not handle those weird canadien steelwire locks, because he saw the rubber casing and thought, cool - it’s a rubber lock, that works with my fish knife. The guy was so frustrated that he took my cloths and thought, this biker guy will freeze in the Andes - or he didn’t think at all. I saw the guy and I could have ran after him. The problem is, if there a second guy, meanwhile he grabs all the rest.

 friendly sunset at Magdalena river, followed by unfriendly thief action at night

For the 40 rough slippry and muddy kilometers with lifted bags tooks me the whole day. I was in El Banco a dirty town on the Magdalena shores. There is no direct road up the river. And even if there was, I would have taken a speedboat anyways, to not get lost I a (former?!) coca plantation. I saw it in a book where the main areas for drug produce were or/and are. And for those 200km until Barrancabermeja was just everything marked. Maybe that’s why our boat had to stop several times to get luggage checked and ID’d. The boatride was like formula 1. The driver had to take hard turns for those 9 hours for not getting jammed by driftwood.

 gas station for motorboats

I saw some mountains on my right side ones a while. Parts of the central cordillera, but the valley was still too wide to see mountains on my left. Barrancabermeja is the oil center of Colombia. The biggest refinery is the main employer and carries all the side business, what makes Barranca to a lively city. I rode through hilly terrain with cattle farms and oil wells right next to each other. Two long days further south is Honda, that’s when it began to be nice. Mountains on both sides of the river - fantastic to look at. Honda is a tourist town, but I was the only foreigner.

 mercado, Honda

Through all this rubbery and thief action within the past weeks, I became a little less of a bike nomad in Colombia. I slept more often in Hostals now. It’s a big change, if you’re not use to it. Finding affordable accommodation was not easy. And giving a piece of nature away and change it for white painted walls and the sound of the city broke my heart. But I took comfort in having a pool to swim. Yeah, that was something! Lots of Hotels in Colombia have their own pool. I had three times the chance to swim 1500m after the 100km of riding my bike.

 Hotel with pool, a great thing

South of Honda is a goast town I came through. The town of Armero had one of the biggest tragedies in Colombian history. In 1985, a huge mudslide went down, to be caused by an erruption of a volcano near by. The erruption was underground, but it melted the glacier top and made the groud fragile. 20,000 people lost their lives in one shot. Today you find thousends of cross and a few half buried homes. In Ambalema is another crossing and I was on the eastern side of Magdalena again.

 I just wanted some gas, but the boulder arrived before me at the pump

I approach to San Agustin within 3 more days. San Agustin is located on 1700m elevation. First time I took a cool breath in Colombia. The climat is feels like spring. Everything is green, water is basically running anywhere down the mountains. And, of course, it rains quite often. But what makes San Agustin to a real attraction is its UNESCO protected world heritage site, the "Parque Arqueologico San Agustin". Some Archaeoleogist found tombs at the past century. They found out, the San Agustin culture was way older then the Inca. It’s backtracked until 9000 B.C.E. All we see of this culture is beautiful made and bizarre locking sculptures. The Park is well maintained and I enjoyed wandering around. There is another great thing in San Agustin. It’s the "Casa de Ciclistas". This is owned by two germans, who went through the americas and liked it so much, that they came back and developed the casa. Unfortunatly no one was around when I got there. Everything was locked up, except the shower and bathroom. Which was just fine for me, because I could lock my bike in the shower room while exploring the park. Later on, I met Teo, a neighbor. He takes care of things while Igel and Paola aren’t around. So, he gave me the key for the kitchen. I decided to stay for two more nights. We planted a fruit tree, because that’s kind of a rule for all global bikers who take a stop over here. I had a great time, thank you Igel + Paola and, of course, Teo!

 sculpture at the archaeogical park San Agustin

 casa de ciclistas, San Agustin

It’s time for some serious mountain action. The call of the Andes was in my ears. I felt recharged after two zero days and was mentally ready for the rollercoaster like ride. I had enough energie to get in one day 160km to Mocoa. That went like this: leaving from 1700m elevation, down to 1200m, up 2100m, down 300 and up 600. But I learned quickly, it’s nothing, if you decide to take the rugged road from Mocoa to Pasto. Because that goes like this: 600m up to 2000m, some 15km down and up to 2700m, down to 2000 and up again on 3250m down 2600m up 3100m and arriving at 2400 in Pasto. This road was just beyond awesome. Wild nature pure, deep valleys and endless forests - the most beautiful lookouts above clouds and above the amazonian low lands. I got so many offers to jump on a truck but I was happy to refuse them all.

 above the clouds and amazonian low lands

I hit the Panam in Pasto again. The first time after I have left this endless highway in Panama. And it was so nice to be back on the highway. Almost no traffic just before the easter weekend. But thousends of people pilgrimage the 80km south to the border town of Ipiales. I camped in a huge cañon that night and heard them walking by all night long. On my last day in Colombia were hundreds of people with road bikes besides me. It felt like whole Colombia is walking or biking on the Panam that day.

 back at the Panamericana

My last action in Colombia was waiting 90 min for the exit stamp, just to wait another 2.5 hours to get entry on ecuadorian side. It’s Easter and quite a few colombians wanted to cross the border the same time as me. Well, next time I’ll tell you more about Ecuador and the "Avenida de los volcanes".

Vamos por Colombia

Nach genau 1000km des radelns durch Kolumbien will ich heute ein kleines Fazit geben. Zuerst ist Kolumbien garnicht so boese wie es in der Vergangenheit sicher war, als Drogenkartelle nicht nur ganze Staedte, sondern komplette Landesregionen unter ihrer Kontrolle hatten. Doch das Land befindet sich im Wandel, und das weitestgehend abgeschirmt von der Weltoeffentlichkeit. Nun war ich gerade 24 Stunden im Land, da verfolgte ich die Nachrichten, die nun jedoch ausnahmsweise mal um die Welt gingen. Die Nummer 2 der FARC Rebellen wurde auf ecuatorianischem Gebiet vom kolumbianischen Militaer getoetet. Uribe, der konservative Praesident Kolumbiens, legt alle Mittel an, die auf etwa 15.000 Leute starke Guerilla weiter zu schwaechen. So, es sind also 15.000 die gegen einen Staat von 42 Millionen kaempfen. Das ist sicher ein stolzes Heer, wenn man es mit der staerke der RAF zu seiner Bluetezeit in Deutschland vergleicht. Jedenfalls steht hier nicht ein Guerilla an jeder Ecke rum und guckt in sein Maschinengewehr, bis mal ein Tourist vorbeischneit, den er entfuehren kann. Damit ist die Gefahr einer Entfuehrung allerdings nicht ausgeschlossen.

Ankunft in Cartagena, Kolumbien

wieder festen Boden unter den Fuessen

Zuerst kam ich also in Cartagena an, der sicher bezaubernsten Stadt ganz Suedamerikas. Das habe ich in verschiedenen Quellen gelesen und lasse diesen Satz jetzt mal so stehen. Ein grosses Urteil kann ich mir ja nicht ueber andere Staedte Suedamerikas erlauben, weil Cartagena die erste Stadt ist, die ich je in Suedamerika besucht habe. Allerdings beeidruckte mich die Ankunft mit der Estella Luna ueber den Seeweg schon sehr. Die Altstadt jedoch ist sehr schoen herausgeputzt und wunderschoen, mit ihren Kolonialbauten und den Balkonen, die hier ueberall die Fasaden schmuecken. Zudem gibt es eine komplett erhaltene Stadtmauer und eine riesige Festung. Sicher genug Besichtigenswertes um mindestens eine Woche aufenthalt zu rechtfertigen. Doch nach 2 Tagen Aufenthalt und nun mittlerweile einer Woche ohne Radfahren kribbelte es doch ganz schoen im Po. Generell standen mir 3 Hauptrouten zur Auswahl. Zum einen war da der direkte Weg ueber den westlichen Andenfluegel, der Stadte Medellin und Cali folgend zur ecuadorianischen Grenze. Der oestliche Andenfluegel ueber Bogota waere eine weitere Variante. Ich entschied mich aber, durch die goldene Mitte, dem Flusslauf des Rio Magdalena folgend, zu fahren. Hier gibt es allerdings keine Art von Schnellstrasse, die von Barranquilla, der Flussmuendung, bis zu den Quellen um San Agustin. Vielmehr ging es ueber Strassen aller Oberflaechentypen, mit Faehren verschiedenster historischer Zeitalter, sowie mit Schnellbooten ueber Streckenabschnitte wo keine Strassen existierten.

 Altstadt Cartagena

Ich fuhr also durch den veraemten Norden zuerst. Hier gehen die Cowboys in den savanneaehnlichen Steppenlandschaften noch traditionell ihrem Treiben nach. Ueberhaupt ist in Kolumbien das Leben wieder zurueck auf die Strasse gegehrt, nachdem es in Costa Rica und Panama ja eher westlich zur Sache ging. Es war mal wieder drueckend Heiss, und das ist es jetzt auch noch, wo ich 1000km weiter Landeinwaerts aus der Stadt Neiva schreibe. Die Temperatur richtet sich hier sowieso nicht in Regionen nach Himmelsrichtungen, sondern generell nur nach der Hoehe. Und soweit befinde ich mich immernoch in der Hoehe unter 1000m, die als heisse Zone beschrieben wird. Doch morgen geht es num ersten Mal in die warme Region (1000-2000m) und spaeter auch in die kuehle (bis 3000m) Region uns selbst der Paramo, die kalte Region von ueber 3000m wartet auf mich, bevor ich Kolumbien verlasse.

Cowboy in der Magdalena Region

Noch einaml zurueck in die heisse Region. Gleich am Abend meines ersten Tages hatte ich Probleme, einen Platz zum Zelten zu finden. Nicht das es genuegend Plaetze gibt, doch nach meinem Ueberfall in Nicaragua ziehe ich die menschliche Naehe vor. So fragte ich mich durch die Cowboy Haciendas, nach ein paar Quadratmetern zum Zelten. 6 Anlaeufe brauchte ich an jenem Abend, um das Vertrauen einer Person gerecht zu werden. Am zweiten Abend, bei meiner ersten Begegnung mit dem maechtigsten Fluss Kolumbiens, dem Rio Magdalena, sah es nach dem gleichen Muster aus. Doch nach dem ersten Nein fragte ich den Gruendstuecksbesitzer nachdem warum und erklaerte noch einmal genau wer ich bin, was ich mache und alles was ich will ist ein Fleckchen Gras in der Umgrenzung seines Stacheldrahtzauns. Das nahm dann wohl die Furcht des Auslaenders, der da hereingeschneit kommt, ein bisschen. Mit der Faehre schipperte ich am fruehen morgen fuer knapp eine Stunde zum ersten Mal ueber den Magdalena. Der Fluss ist so gewaltig und hat soviele maechtige Arme, das man in dieser Seenlandschaft schnell den Ueberblick verliehren kann. Also Vorstellung wuerde ich es mal mit der Havellandschaft im norddeutschen Raum vergleichen, nur 20 mal so gross! Die braunen Wassermassen schiessen foermlich an mir vorbei, Treibholz, Baumstaemme, ja ganze Baeume werden vorbei geschwemmt. Und dazwischen tuckern wir mit unserer 100-jaehrigen Faehre, wie es scheint, hindurch.

Auf dem guten alten Stueck Eisen ueber den Magdalena Fluss

40km spaeter, an einem weiteren Magdalena Arm gelegen, erreichte ich Mompos, eine kleine Kolonialstadt. Eigentlich wollte ich hier eine Nacht verbringen, es war aber noch frueh am Nachmittag und Zeit, weitere Kilometer auf einer staubigen Lehnpiste Stromaufwaerts zu fahren. Entsprechend eingedreckt war ich am Ende des Tages und brauchte dringend eine "Katzenwaesche". Kurz vor Guamal gibt es seit kurzem eine Bruecke ueber den Fluss und am Ort sollte mein Nachtdomiziel erreicht sein. Einen Sprung in die schlammigen braunen Fluten wagte ich nicht, so wusch ich mich aus einem traditionellen Kanu im sitzen. Schnell verbreitete sich die Nachricht im Dorf, nicht dass sich einer mit komisch gestreifter Hautfarbe (an manchen Stellen bin ich braun wie die Einheimischen, andere sind jedoch weiss wie Kaese) hier badet, sondern ein deutscher mit dem Fahrrad von Mexiko kommend bei uns Zeltet. Ganze Schulklassen kamen mich "besichtigen" und bestaetigten mir das hier noch niemals jemand einen Auslaender mit dem Fahrrad gesehen haette.

Erst Freud, dann Leid. Schulklassenbesuch und naechtlicher Diebstahl (ich sah den Dieb und der war eindeutig zu alt um der Schulklasse eine Schuld einzuraeumen)

Das sollte allerdings noch lange nicht genug Trubel fuer den Abend bzw. die Nacht gewesen sein. Ich darf mir auf solch einer Radtour keine Fehler erlauben - wie oft habe ich mir selbst diesen Spruch eingeblaeut. Doch in jener Nacht oder besser in den spaeten Abendstunden unterlief mir ein Fehler in meinem Sicherheitssystem. Eine Person machte sich an meinem Fahrradschloss mit einem Messer zu schaffen und musste einsehen, das ein Messer noch immer keine Stahlseile durchschneidet. Jedoch flinke Finger durchaus in der Lage sind,m einen betraechtlichen Teil meiner Ausruestung verschwinden zu lassen. In diesem Falle waren es 12 Kleidungsgegenstaende, von Unterwaesche, ueber Shirts, Pullover bis hin zu meiner Regenjacke. Von all dem fand ich am naechsten Morgen nur ein paar Socken und meine zerschlissene Hose wieder. Gefaehrliches Kolumbien?! Und weiter ging es mit Teil 3 in dieser Nacht. Ein abscheuliches Gewitter zog auf und brachte einen noch abscheulicheren Regen hernieder, wie ich ihn in meinen Lebtagen noch nicht gesehen habe. Ich dachte schon mein ganzes Zelt schwebt inklusive der Heringe im Boden, ueber die Klippe hinweg in die ewigen Fluten des Magdalena. Zum Glueck kam es nicht so weit und so musste ich mich "nur" mit einer voellig aufgeweichten Lehmpiste auf den naechste 40km bis El Banco durchquaelen.

Fahrradtransport begutachtet Fahrradtransport

In El Banco landete ich in einem Hotel ohne fluessend Wasser. Ueberhaupt habe ich in den ersten 4 Tagen seit Cartagena kaum fliessend Wasser gesehen. Normalerweise besorgte ich mir mein Trinkwasser von Tankstellen. Hier hatten die Tankstellen aber nur ein dreckiges Fass mit einer Schicht Mototenoel anzubieten. Spaeter in der Nacht hatte ich auch keinen Strom mehr im Hotel, weil ein weiteres maechtiges Gewitter die gesamte Stadt ausgeschaltet hatte. Zum Glueck regnete  es in stroemen, und so sicherte ich mir mein Trinkwasser durch Auffangen im Kochtopf aus dem Regenwasser. Damit ihr eine Vorstellung davon habt, wie stark der Regen fiel. Fuer einen Kochtopf voll Wasser ca.1l brauchte ich 1:20min, bei einem Kochtopfdurchmesser von gut 20cm. Das ist eine sagenhafte Regenspende die mich als Ingenieur in Deutschland bei der Planung vor maechtige Probleme setzen wuerde. Aber zum Glueck sind wir in Kolumbien, und da ist das gar kein Problem - Lapaloma olĂ©…

Im Motorboot 9 Stunden ueber den Fluss

Von El Banco fuhr ich im Motorboot vielleicht so um die 200km Stromaufwaerts. Vielleicht waren es noch einige Kilometer mehr, denn wir fuhren in einem Affenzahn in Schlaengelfahrt  um Treibholz und so einige andere Sachen, die so schwimmend an der Wasseroberflaeche treiben. Nach 4 Militaerkontrollen mit einer Passkontrolle und 3 Gepaeckdurchsuchungen kam ich nach 9 Stunden in Barrancabermeja an. Hier befindet sich das Erdoelzentrum des Landes. Ueberall waren Oelbohrturme und Oelfoerderanlagen zu sehen. Barrancabermeja hat auch die groesste Erdoelraffinerie des Landes. Nach einer weiteren Hotelnacht sauste ich nun, mit gutem Rueckenwind und ansprechender Teerstrasse, meine laengsten Tagesetappen dahin. Bald gab es Abwechslung fuers Auge, denn die ersten Andenauslaeufer rueckten naeher ans Flussbett. Zudem durchradelte ich eine touristische Gegend um der Stadt Honda. Viele Hotels haben hier Freibaeder, da fiehl es mir einfacher einzuchecken und mich mit der Tatsache abzufinden, das eine Nacht im Zelt in Kolumbien eher die Ausnahme beschreibt. Doch letzte Nacht habe ich wieder gezeltet und dann weiss ich auch genau wo mein Herz schlaegt, wenn ich den Sonnenuntergang beobachte, mein Sueppchen unter dem Pfeifkonzert von hunderten tropischer Voegel, dem zirpsen der Grillen, dem Froschkonzert oder einfach nur dem heulen des Windes lauschend zubereite und in der Natur bin.

Jetzt rufen die Anden, und davon berichte ich Euch das naechste Mal - wenn mich nicht die Guerillia’s wegfangen.

road map Panama

I left Panama by Sailboat after 6838km of riding through central america

…and this is another overview of the 7200km I rode, still my 4th longest trip I made.

Have you ever seen the perfect beach?

Well, what a question! I thought I’ve seen many, perfectly beautiful beaches until I went to San Blas. The most commen way how to get there is by airplane, or you cruising from Colon or Montebello around. Some tough backpackers choose the rough way and get a ride for 25 Dollar with a AWD. Lots of possibilities to find access to a small dream world. But neither of them fit me, that’s way I went back to caribbean shores on my bike. Everything was easy to handle until the road turn off at El Llano. 45km and a entire day of workout were ahead of me. The road was well maintained the first 25km. It goes up with more then 20% slope pretty often, but nothing to give up about. I was up 512m in elevation when I reached the continental devide and a bunch of mud holes. I watched cars who were getting stuck and towed each other. I couldn’t really pass them, because I was afraid to get drowned in mud besides the main trek.

Now it’s over, I though, when I saw the ocean. Still almost 20km away, but at sealevel. I was wrong, then most of the day I spent on that stretch. The "downhill" had about 20 ascents whitch most of them were impossible to ride and almost impossible to push. I sweat the most of liquid in such a short time in my live that I ran out of water and refilled at a jungle water hole. Not the best taste, but it’s water though.

arrived at the autonomous terrirory of the Kuna Yala

I managed to come through within daylight. I camped on indigenous land right at the beach. No one lives there. All the Kuna indians live on these small approx. 370 islands. But there is still a bunch of inhabitent islands. On a few islands they have something like towns. There is no palm tree to find, because the Kuna on the town islands like to live crowded. It’s weird though, because on other islands is sometimes just one family living.

typical dressed Kuna women

Kuna men offers fish

I got my ride with two dozen other backpackers who arrived that morning. We had to go to our sailboats what we’ve booked in Panama City. I was happy that the Estella Luna, the sailboat from captain Hernando was close by, because the huge dugout canoe had a major leak and started sinking. We were 6 people who got on Estella Luna, a 32ft. sailboat. That was our home for the next 5 nights. Three of them we spent cruising around the San Blas Archepelago. The Panama exit stamp as made in El Porvenir, (one airstrip, one hotel, the police station & a bunsh of coconut trees).

El Porvenir, Immigration Office

These days we spent time with chilling, swimming, fishing, snorkling, exploring islands, crushing coconuts just with your hands and some others were kiting as well. Wish I had my gear to practice. After having the biggest dreem of island romantic, we went sailing across the caribbean sea for the next 50 hours along 10 degree latitude north, eastbound - towards Catagena, Colombia. Oh, what a ride, I’m telling you. El capitano Hernando was well relaxed, because the sea was with 10ft. waves pretty calm. It was enough for me and I handled to vomit only one time the second day. I think I just missed to take the seasickness pills right on time.

kite surfer launching

The captains job was checking the gps coordinates and give us instructions where to sail. Is was us, the 6 passengers who drove the boat in 2 hour shifts day and night. Everybody had to make 4 shifts and tried to sleep somehow the 10 hours in between. But this was another challange, because of the angle of the sailboat. Obviously was there no cooking during the traverse. All wee ate were ramen noudels in a cup with hot tap water over"boiled". Half of it went in the stomac and other half all over the place. To pee was quite an adventure. The men had to pee over board and women at to toilet. But just then, when the boat was angeled towards the toilet side, because of the hand water pump system. I was happy of not using the toilet ones the traverse, because the bathroom was a nasty mess, overflooded & stank. But we came across and saw the first buildings rising above the horizon on february 29th.

thank you "El Capitano" Hernando

Zu Gast bei den Kuna Yala Indianern

Nachdem es seit der starken indigenen Bevoelkerung in Guatemala (60%) in den uebrigen mittelamerikanischen Laendern eher kaum Ureinwohner gibt, ist Panama mit etwa 9% Ureinwohnern am Anteil der Gesamtbevoelkerung des Landes wieder staerker am Kulturmix vertreten. Die verschiedenen indigenen Gruppen verteilen sich ziemlich gleichmaessig, von ost nach west uebers Land. Eine Ecke des Landes wollte ich unbedingt besuchen, und zwar die der unter den Kuna Indianern autonom verwalteten San Blas Region. Doch damit hoert meine Erzaehlung ueber Panama auf…

Hier ein Vorgeschmack auf den Abschied aus Panama

Das letzte Land mittelamerikas war erreicht, und nach den ueblichen Grenzformalitaeten ging es recht zuegug auf der nun gut ausgebauten vierspurigen Panamerikana mehr Richtung westen als sueden. Das merkte ich auch schon bald daran, dass ich keine grandiosen Sonnenuntergaenge an Pazifikstraenden hatte. Im Gegenteil, nun tauchte die Sonne sogar aus dem Pazifik auf, welch verkehrte Welt, dachte ich. Die erste Stadt, David, war bald erreicht und beim Gang in den Supermarkt traute ich meinen Augen nicht. Was hat das Land zu bieten, was mir die beste Auswahl an Lebensmitteln bescherte, seit ich Montreal verliess? A-ha, ein Kanal! Und diesem Kanal verdankt Panama ueberhaupt seine existenz als Staat. Dieser Kanal ist bei weitem der wichtigste Wirtschaftsfaktor des Landes. Aber die Wirtschaft brummt hier erst seit 8 Jahren, denn bis zur Jahrtausendwende haben die Amerikaner die Kanalzone unter ihren fittichen gehabt. Nun wird kraeftig investiert in den Ausbau und die Verdoppelung seiner Kapazitaet. Nach und nach spueren die Bewohner des Landes in allen Ecken etwas davon, denn ein Grossteil des Profits wird in den Ausbau der Infrastrucktur investiert. Unter diesen Vorraussetzungen stimmten die Bewohner Panamas in einem Referendum fuer den Ausbau des 1913 eingeweihten Kanals. Jetzt gibt es Fussgaengerbruecken ueber die Panamerikana, die dem Schwerlastverkehr und vorallem tausenden von Sandtransportern freie Fahrt geben soll, die diese bestimmte Sorte von Sand in der Region um David abholt, die zum Ausbau des Kanals noetig ist. Ich hatte wohl Glueck, denn noch rollen die Sandlaster nicht…

Sonnenaufgang am Pazifik

Zahlreiche Autofahrer gaben mir quer durchs Land nicht nur anfeuernde Rufe, sondern auch reichlich Bier oder wie im falle von Pedro, auch Einladungen. Das ist ein sehr schoenes Gefuehl, gleich vom ersten Moment in einem Land sich willkommen zu fuehlen. Pedro und Virginia ueberholten mich mit einem Motorad hinter David, und ich sollte doch unbedingt mal vorbei schauen. Das dauerte dann etwa 24 Stunden fuer mich, bevor ich nach fluechtigen Wegbeschreibungen tatsaechlich Pedro in einer Haengematte schlummern sah. Er und seine Frau sind auch praktisch zugezogene, aus Puerto Rico. Doch wie ich schon bald mitbekam, fuehlten sie sich pudelwohl hier. Erst vor kurzem hatten sie ein stueckchen Land erworben, wo nun nach einheimischen Methoden kraeftig gewerkelt wird. Pedro ist sehr umgaenglich mit Menschen und ist nach der Reparation einer Zuckerrohrmaschine der Star unter den Nachbarn und hat sich in kurzer Zeit Ansehen verschafft. So wurde ich auch gleich in die Geheimnisse der Zuckerrohrpflanze, ihres Safts, Sirups und Zuckers eingeweiht. Die Nacht verbrachte ich gleich schlafenderweise unter einer Veranda - es regnete wie verrueckt.

Regen, das ist soetwas wie ein Phaenomen im Februar. Vielleicht vergleichbar mit Schnee bei uns im Juli. Hier gibt es naemlich eine Trockenzeit und eine Regenzeit. Die Trockenzeit ist von Dezember bis April. Somit sollte es normalerweise verdammt trocken um diese Jahreszeit sein. Aber darauf ist kein verlass, denn seit ich durch Panama radle, regnet es jeden Tag. Also nicht der miese Landregen, so eher gewaltige tropische Schauer, die sich oertlich entladen. So war ich froh doch vorerst einmal weiterhin auf ansehlichen Strassenbelaegen zu gleiten.

Nach etwa 500km im Land erreichte ich soetwas wie das grosse Finale. Die Puente de las Americas kam in Sichtweite. Das ist die Bruecke die hier nicht nur den Panamakanal ueberspannt, sondern aehnlich wie der Bosporus Europa mit Asien verbindet, hier die offizielle Grenze zwischen Nord- und Suedamerika bildet. Das grosse Finale ist aber auch gleichzeitig ein abenteuerlicher Neubeginn meiner Reise, mit der Fortsetzung nach Sueden. Zuerst stand jedoch Panama Stadt auf dem Programm. Eine Stadt, so anders, wie seine Supermaerkte, vom restlichen Mittelamerika. Hier ueberragen unzaehlige Wolkenkratzer die Szene. Ein Finanzzentrum entstand im laufe der Jahre, bedingt durch den Kanal. Doch es hat auch eine schoene Altstadt, wo ich gleich fuer zwei Naechte Quartier bezog. Nur musste ich schon ein bisschen vorsichtig die Wege wahlen, durch die ich schlenderte, denn die Stadt ist nich ungefaehrlich. So spazierte ich nichtsahnend an der Uferpromenade entlang und wurde Augenzeuge einer Messerstecherei zweier schauderhaft aussehender Typen. 180 Grad kehrtwende war da das richtige fuer mich, gerade wenn ich die Taschen voller Bargeld hatte, um meine Fortsetzung der Reise finanzieren zu koennen. Da waren naemlich 295$ faellig, um von Panama nach Kolumbien zu segeln. All diese Dinge machte ich hier in Panama Stadt ausfindig und hatte nun gar nicht mehr richtig viel Zeit, mir all die sehenswerten Dinge in der Umgebung anzuschauen.

Die genauere Besichtigung des Kanals wollte ich allerdings nicht auslassen und fuhr zu den nahegelegenen Miraflores Schleusen. Dort werden die riesigen Ozeandampfer auf zwei Stufen etwa 30m gehoben, um, nach einer dritten Stufe ueber den Gatun See Richtung Atlantik zu schippern. Dort geht es natuerlich die drei Stufen wieder runter. In Miraflores kann man alles genau beobachten. Vormittags kommen die Schiffe vom Pazifik und Nachmittags vom Atlantik, denn der Kanal laesst nur ein Einbahnverkehr an der engsten Stelle, dem Gaillard Schnitt, der ehemaligen Wasserscheide zwischen den Ozeanen, zu.

Miraflores Schleuse, Panamakanal

Von den Schleusen aus ging es noch einmal so richtig in den Verkehrsdschungel von Panama Stadt hinein. Ueber Autobahnen, durch Berufsverkehr und extreme Abgase pedalte ich weiter gen osten, vorbei am nationalen und internationalen Flughaefen. Erst danach wurde es ruhig, sehr ruhig. Die Panamericana geht zwar noch gute 200km weiter bis in den Darien, doch dann ist Schluss. Es gibt keine direkte Strassenverbindung zwischen Kolumbien und Panama. Von einer Buschwanderung ist momentan auch eher abzuraten. Num einen, weil die Trockenzeit nicht trocken genug ist. Zum anderen, weil die Sicherheitslage seit mehreren Jahren im Grenzgebiet sehr instabil ist und viele Guerillas beheimatet. So fuhr ich an diesem Tage die letzten 110km auf der Panamericana bis zur Kreuzung La Llamos. Bereits einige Kilometer zuvor, in Chepo, hoert die Zivilisation auf. Hier nutzte ich die letzte Moeglichkeit, meine Taschen mit allerlei essen vollzustopfen. Denn nun sollte ich unter Umstaenden mit Verzoegerungen meiner Weiterreise rechnen. Alles was ich wusste war, dass am Sonntag jemand mit dem Boot von der San Blas Insel Carti ans Land kommt, um mich zum kolumbianischen Kapitaen Hernando und seiner Estella Luna, einem 10m Segelboot, zu bringen. Die Abfahrt jedoch war ungewiss, weil sich noch nicht genuegend Reisende gefunden hatten, die mit mir die Seereise antreten wollten.

Schlammkur

Ganze 45km trennten mich also noch vom Abzweig der Panamericana bis zur Karibik. Alle Leute die mich nach meinem wohin fragten, verdrehten bei meiner Antwort Carti ganz schoen die Augen. So wusste ich bereits im Vorfeld, es werden sicher nicht die leichtesten meiner knapp 7000km. Doch als ich ein Schild zur "rehabitilation" der Strasse sah, dachte ich, es kann nicht so schlimm werden. Ersteinmal ging es supersteil hoch. Das zwang mich mal wieder in die unteren Regionen meiner 24 Gang Kettenschaltung. Der Pistenzustand war hier allerdings wie geleckt, da gab es nichts zu meckern. Nach einigem auf und ab hatte ich nach 18km die zu ueberwindende Hoehe von 512m geschafft. Hier beginnt auch das selbstverwaltete Gebiet der Kuna Indianer. Nun liess der Pistenzustand rapide nach und es wurde so richtig schoen schlammig. Doch erst einmal musste ich Schlange stehen, denn es gab einige Gelaendewagen die sich vor mir durch den Schlamm wuehlen mussten. Da schien ich mit dem Fahrrad eher die guenstigeren Voraussetzungen zu haben. Nach einigen Schlammloechern erreichte ich eine Stelle, die mir einen ersten Blick zur Karibik frei gab. Ich freute mich wie ein Kind, zum ersten mal seit Guatemala wieder an der Karibikkueste zu sein. Aber halt - noch trennten mich 25km! Diese hatten es in sich und waren viel kraefteraubender als der Anstieg und die Schlammloecher zusammen. Die Abfahrt wurde von etwa 20 Gegenanstiegen begleitet, wovon ich 16 nur unter extremen Schweissausbruechen schiebenderweise bewaeltigen konnte. Kurz vor Ende des Tages gab es noch eine schoene Flussdurchquerung mit gruendlicher Fahrrad- und Selbstwaesche. Gluecklich stand ich nun am Ende der Fluglandebahn, die direkt am Karibikstrand aufhoert und erntete bewundernde Blicke einiger Kunas. Ich hatte mein Zelt am Strand aufgebaut und kochte mein abendliches Sueppchen. gerne waere ich der Einladung einiger Indianer gefolgt, mit rueber auf die Insel zur Siedlung Carti zu kommen. Doch um mein Lager nun im dunkeln wieder abzubauen, dazu war ich viel zu muede. Schliesslich sollte ich am kommenden Tag ja von hier abgeholt und zu Hernandos Schiff gebracht werden.

Downtown Carti

Am Morgen kamen die ersten Einbaumkanus an. Bald wurde es richtig gesellig hier. Ich befand mich am Ende der einzigen Strasse, die in das Kunagebiet fuehrt. Dadurch kommen einige Reisende sowohl als auch viele Versorgungsgueter hier durch. Es war 6 Uhr morgens und immer mehr Leute trafen ein, warteten auf die ersten Gelaendewagen, die sich durch die Strecke quaelten. Irgendwann am spaeten Vormittag kam dann auch ein schwing Rucksackreisender an. Nun erfuhr ich, das Hernando nicht in El Porvenir war, sondern schon rueber nach Carti gekommen war. Dadurch war die Fahrt im halb sinkenden und mit Wasser volllaufenden Riesenkanu nocheinmal glimpflich fuer mich verlaufen. Andere "Backpackers" hatten nicht soviel Glueck und mussten zusehen, wie ihre Rucksaecke im Kanu im knietiefen Wasser versanken.

Verladung von Fahrrad und Gepaeck vom "sinkenden" Kanu und Ankunft bei Capitano Hernando

Bei der Ankunft auf Hernandos Boot kristallisierte sich auch heraus, wer zu meiner Reisecrew fuer die kommenden Tage gehoerte. Wir waren ein guter Mix und niemand kannte sich oder hatte sich zum ersten mal in Panama Stadt in einer Herberge getroffen. Nun waren wir also schon komplett und der Reise sollten keine Verzoegerungen mehr im Wege stehen. Da waren neben "El Capitano" nun neben mir, Angela (England), Helene (Frankreich), Ria (Kanada), Walter (Holland) und Travis (USA).}

El Capitano besorgt uns das Abendbrot, einen 1.20 langen Barrakuda

In Carti gingen wir zu Mittag an Land und assen einheimische Kueche. Heute, am 24.02. war auch ein besonderer Tag fuer die Kuna. Es ist ihr Unabhaengigkeitstag und es gab eine grosse Veranstaltung mit Theater und Tanz und anschliessender Feier. Doch bis in die abendlichen Stunden feierten wir nicht, denn wir wollten noch am Nachmittag weiter zur Insel El Porvenier. Die Insel ist gerade gross genug, um eine Fluglandebahn, eine Polizeistation und ein Hotel zu beherbergen. Und in dieser Polizeistation gab es Tags darauf auch unsere Ausreisestempel. Wir segelten weiter zu einer anderen Inselgruppe, nur 2 Stunden entfernt. Dort gingen wir zwischen 2 Inseln vor Anker und hatten 24 Stunden Zeit, um diese zu erforschen, an Traumstraenden zu baden oder einfach um Mini-inseln zu schnorcheln, um die sagenhafte Vielfalt des Korallenriffs zu erkunden. Am spaeten Nachmittag wurde eine Stunde weiter gesegelt um eine weitere Nacht bei einer anderen Inselgruppe zu verbringen.

Walter und Helene beim Ankerlassen

Ab und zu kamen ein paar Indianer mit ihren Kanus am Boot vorbei, die ihre Stickereien oder einfach nur frischen Fisch anboten. Die meissten Kuna leben auf extrem eng besiedelten Inseln und bilden somit eine grosse Lebensgemeinschaft. Privatsphaere ist hier ein Fremdwort und alles muss sehr harmonisch ablaufen. Dutzende kleinster Inseln sind unbesiedelt, viele andere beherbergen allerdings ein oder zwei Familien. Die Familien besitzen keine dieser Inseln, denn alles gehoert der Gemeinschaft. Auch leben die Familien nicht fest auf einer Insel, sondern ziehen nach einem Rotationsprinzip von Insel zu Insel. So wird keiner benachteiligt und niemand kann eine Insel z.B. an eine westliche Hotelkette verkaufen. Dadurch gibt es nicht wie in Belize sogenannte "Traumresorts", sondern alles ist ganz natuerlich. Ich habe niergendwo in meinem Leben solch eine perfekte Szenerie aus Sand, Palmen und blauem Meer gesehen. Da dachte ich schon Belize waere das non-plus-ultra gewesen, aber weit gefehlt!

Kuna Indianerin im Einbaumkanu

Nun wurde es langsam ernst, denn die lange und anstrengende Ueberfahrt nach Kolumbien stand an. Zuerst segelten wir nun mit Hilfsmotor fuer ein paar Stunden am Riff entlang, bis bei den Holland Cayos, einer weiteren Inselgruppe eine Oeffnung im Riff auftauchte. Von nun an standen uns strapazioese 50 Stunden auf offener See nach Cartagena bevor. El Capitano gab uns genauste Anweisungen, die wir strickt zu befolgen hatten. Ab jetzt gab es kein gemeinsames "Dinieren" mit Wein und Bier. Statt dessen assen wir instant Nudelsuppen die mit heissem Wasser uebergossen eine schnelle Mahlzeit darstellten. Alles andere war bei dem Wellengang voellig undenkbar und jeder von uns wurde mindestens einmal durchs Boot geschleudert und holte sich so seine blauen Flecken an der ein oder anderen Kante ab.

Capitano Hernando, mit sicherem Griff am Bier fuehrt er uns ums Riff

Es wurde im Schichtsystem gearbeitet, denn bei der Ueberfahrt gibt es keine Pause. So haben wir, die sechs Passagiere in Rotation jeweils 2 Stunden das Steuer uebernommen - Tag fuer Tag, Nacht fuer Nacht. El Capitano war immer an der Seite und schlummerte vor sich hin und gab uns den Kurs vor. Wir segelten nonstop mit Hilfsmotor gen 70 Grad ost. Ein paar mal mussten wir kreuzen um wieder auf Kurs zu kommen. Meine Schichten waren jeweils von 4-6 Uhr Morgens und Nachmittags, also zu Sonnenauf- und untergang. Unter Hilfe von Seekrankheitstabletten brauchte ich mich auch nur ein einziges mal am zweiten Tag zu uebergeben. Sobald man unter Deck ging wurde einem allerdings in Windeseile schlecht, so gingen wir nur zum schlafen unter Deck, oder der Versuch zu schlafen. Bald sah es im Boot aus wie nach einer wilden Party. Alles lag kreuz und quer verstreut, einige Wellen brachten so manchen Schub Wasser unter Deck. Die Toilette ueberflutete und es begann unangenehm nach Schweiss und sonstigen geruechen zu stinken. Aber das war ja alles nichts ungewoehnliches fuer mich, da ich mit etweigen geruechen bereits seit 4 Monaten lebe.

In Schraeglage bei der Arbeit (im Hintergrund gut verpackt mein Fahrrad)

Am zweiten Tag kam Land in Sicht, ja LAND IN SICHT!!! Jetzt kann ich diese freude mit den Seefahrern aus vergangenen Jahrhunderten teilen, die allerdings ueber viele Wochen diese Qualen ueberstehen mussten. Fuer mich war es auf diese Weise allerdings eine weitere tolle Lebenserfahrung und ein neuer Hoehepunkt einer unglaublichen Amerikareise.