Da bin ich wieder mit branntheissen Neuigkeiten fuer Euch. Gestern habe ich die 6000km voll gemacht. Seit dieser Woche laeuft nun die 2. Phase, oder Halbzeit dieser Tour und morgen beginnt das Abenteuer Panama. Nun aber doch noch einmal alles ganz langsam von hinten aufgerollt…
Mit schmerzenden Knochen und der Entschuldigung des Ueberfalls wurde die Aufreise aus Nicaragua am 30.01. auch etwas billiger. Von nun an ging es durch Costa Rica, ein Land, was so gar nicht richitg hier her passt. Alles was ich bisher von Mittelamerika erfahren hatte, sollte auf Costa Rica nicht mehr zutreffen. Was mir sofort auffiel, der Gringo-Alarm der vergangenen Wochen war verstummt. Eine letzte Pause von Gringo rufen konnte ich in Belize verbuchen, das lag nun schon eine Weile zurueck. Als naechstes fiel mir auf, das die Strassen, so wie auch bei uns, wieder ganz und gar dem motorisierten Verkehr gehoerten. All die Reiter, Ochsenkarren, Radfahrer und Fussgaenger der anderen Laender waren hier wie vom Erdboden verschluckt. Dafuer giebts anstatt eines ordendlichen Seitenstreifens eher einen abgrundartigen Strassenrand, was mich beim gnadenlos dicht vorbeiziehenden Schwerlastverkehr so manchmal zwischen Himmel und Hoelle schweben liess. In den Staedten; wo waren die lebhaften Strassenmaerkte geblieben? In Costa Rica geht man ueblicherweise in die Supermaerkte, dadurch werden die Tiendas, die Tante Emma Laeden auch ueberfluessig. Und wer bevorzugt in einer Stadt zu naechtigen und nicht zu campieren, der rechnet hier mit harten Dollars, die se fuer eine Nacht zu berappen gilt. In Nicaragua konnte man beispielsweise schon fuer 1€ ein Zimmer finden, hier sind´s dann 20. Wie kommt solch ein Gefaelle zu stande fragt sich jetzt sicher der ein oder andere. Costa Rica ist neben Panama das wohlhabenste Land in Mittelamerika. Und hier haben sicher die vielen Gringos, die Amerikaner, ihren Teil dazu bei getragen. Die Amerikaner Besiedeln naemlich Costa Rica wie kein anderes Land zwischen den USA und dem Aequator. Irgendwie denken die Amerikaner, Costa Rica ist ein sicheres Land in das es sich zu investieren lohnt. Und das bei einem Land ohne Armee und Soldaten! Ja, ihr lest ganz richtig. Costa Rica hat keine Armee, die wurde in den spaeten 40er Jahren abgeschafft und die freigewordenen finanziellen Mittel wurden in soziale Projekte im Land investiert. Lieben also nun so viele Amerikaner das Armeelose Costa Rica als Vorbild fuer ihr Land?
So ist das also hier, und es gibt bestimmt noch zig andere eigenarten die ich jetzt aufzaehlen koennte, wenn sie mir in der eine der Zeit nur gerade einfallen wuerden. Oh ja, eine Sache waere da noch, naemlich die total unglaublich vielfaeltige Natur, gepraegt von vielen Klimazonen die hier vorkommen. Das scheinen auch einige Zugvoegel Nordamerikas ganz toll zu finden, und lassen sich hier fuer den Winter nieder. Fuer jeden Vogel halt das richtige Klima. Der eine mag es lieber ein bisschen neblig und feucht mit angenehm frischen Nachttemperaturen von an die Null Grad, nur wenn das nicht das Richtige ist, dann fliegt er eben mal ein paar tausend Meter tiefer, in die heissen tropisch Schwuelen senken und Kuestenregionen Costa Ricas, wo es sich Nachts nicht unter 27 Grad abkuehlt und der Schweiss nur so tropfen wuerde, wenn kein Federkleid da waere. Dieses Federkleid hatte ich nun nicht, und so musste ich mal Schweisspfuetzen im Zelt wischen und mal die Trinkflasche unters Kopfkissen legen, damit sie nicht zerfriert. Wenn man doch nur ein Vogel waere, dann haette ich sicher auch so einige Liter Schweiss auf den langen und teils knueppelharten Pisten sparen koennen. Auf den ersten 750km im Land fuhr ich 500km auf den haertesten Pisten, die ich jemals unter die Raeder nahm. Da waren kraeftezehrende Anstiege, die schon mal ueber eine Stunde fuer einen jaemmerlichen Kilometer in Anspruch nahmen, nur um festzustellen, das es da doch den ein oder anderen Fehler auf so manchen Strassenkarten gibt und all die Qual und Muehe umsonst war. Weiter Pfluegte ich durch unzaehlige Fluesse, Pfuetzen und Schlammloecher, immer in der Hoffnung nicht auf halbem Wege stecken zu bleiben. Manchmal beobachteten mich dabei die Bruellaffen, die sich unter der Mittagsglut ein schattiges Aestchen direckt ueber mir zum daesen aussuchten, und dachten vielleicht: Das hat der Mensch nun davon, nur weil sein Schwanz (die Rede ist vom Steissbein) nicht mehr lang genug ist kann er sich nicht mehr von Baum zu Baum schwingen und quaelt sich dafuer jetzt in Staub und Schlamm ab!
Kolibris, Monteverde
Papagei, Puntarenas
Um all die unterschiedlichen Klimate fuer mich zu entdecken, legte ich auf den 1400km durch Costa Rica so etwas wie eine S-Schleife hin. Zuerst fuhr ich durch die Region Guanacaste, ganz im Nordwesten des Landes. Guanacaste ist die trockenste Region, die nur selten von einem Woelkchen getruebt wird. Hier sieht man die Leguane der Trockenwalder ueber die Strasse schnellen. In den Waeldern begegneten mir auch heimatliche Bekannte wie Rehe. Ich erkundete den aeltesten Nationalpark Costa Ricas, den Santa Rosa Park, auf dessen Halbinsel es abgelegene Straende gibt. Der Rincon de la Vieja Park stand als zweites auf meiner Liste. Es ist ein vulkanischer Park, bei dem man kleine Vulcanitos, Wasserloecher und Schlammpools beim blubbern beobachten kann. Andere Wanderungen fuehren zu tropisch schoenen Wasserfaellen oder zu den aktiven Kratern, wenn es das Wetter zulaesst. Ich wollte doch unbedingt einen dieser Vulkane Besteigen. Jedoch all meine Versuche schlugen fehl, denn die Wolken verschlangen all meine Gedanken vom erradeln vom Poas- und Irazu Vulkan.
Bahia Santa Elena, Santa Rosa Nationalpark
Schlammgeblubber, Rincon de la Vieja National Park
…bei so vielen Wasserfaellen vergisst man schon mal den ein oder anderen Namen; Rincon de la Vieja Park
Die Nicoya Halbinsel stand als Nummer Drei auf meiner fiktiven Liste. Es besteht hier die Moeglichkeit auf diesen bereits erwaehnten Schotter- und Staubpisten in Kuestennaehe die Halbinsel zu umrunden. Das war dann auch ein absolutes Highlight meines Costa Rica Abenteuers. Jeden Abend an einem anderen Traumstrand zu schlafen und zwischendurch weitere Traumstrande zum kurzzeitigen erfrischenden Sprung ins kuehle Nass zu nutzen, sind Momente die noch lange in meinen Gedanken verweilen werden. Und das waren so klingende Namen wie Playa del Coco, Junquillal, Manzanillo, Samara, Coyote, Ario oder Pochote.
Schiebenderweise zu entlegenen Straenden; Nicoya Halbinsel
Playa Samara; Nicoya Halbinsel
Eine Faehre brachte mich zurueck auf´s Festland, was ich ja ueberhaupt nicht verlassen hatte, weil ich mich ja auf einer Halbinsel befand. Puntarenas war jedoch gleich eine weitere Halbinsel, die ueber 15km in den Golf von Nicoya hinein ragt. Allerdings ist Puntarenas nicht beiter als ein paar 100m. Am Ende dieser Landzunge stiess ich wieder auf die Panamericana, die ich jetzt in noerdlicher Richtung zur Abwechslung mal radelte. Nach einigen Kilometern verabschiedete ich mich in die Berge und das Erlebnis einer asphaltierten Strasse war damit nach nur wenigen Kilometern schon wieder Geschichte. Auf den nun folgenden 1500 Hoehenmetern wurde ich ganz gut durchgeruettelt. Das Ziel war der Nebelwald von Monteverde, um dessen Attraktion sich eine ganze Reihe Touristen"attraktionen" scharen. Dabei hat sicher auch schon der ein oder andere Besucher den Ueberblick verlohren, ob er jetzt wegen des Froschhauses, Schmetterlingspalast, Nebelwaldzoo mit Nachtwanderung oder vielleicht doch wegen einer der unzaehligen Canopy Tours hierrauf gekommen ist. Ich jedenfalls wollte nur den Nebelwald, der mich unverschaemte 15 Dollar Eintritt kostete, dafuer hatte ich dann auch Nebel - und Wald! Jedenfalls waren die Koenigsvoegel, die Quezales alle ausgeflogen und nicht zu sehen. Vielleicht haette ich doch den Zoo buchen sollen?!
Puntarenas sieht aus wie eine Insel
Wohnzimmerpflanzen wachsen hier von den Baeumen; Monteverde
Nach soviel Schuettelei auf schlechten Pisten musste dass Material tribut zollen. Neben Plattfuss Nummer zwei, war nun auch nach bereits 5500km mein hinterer Mantel hinueber, ander der dritten von vier Fahrradtaschen brach die Halterung, am Lowrider Gepaecktraeger brach eine Schraube und der Fahrradcomputer zeigte ploetzlich auch nur noch Sterne an. All diese Vorkommnisse geschahen in nur 24 Stunden. Ich bekam also genuegend ingenieurtechnisches Tuefteln als Abwechslung zum Radfahren hinzu. Nach weiteren belebenden Schuettelkilometern war ich am Ufer des Arenal Stausees. Der See ist sicher keine Beruehmtheit, die ist eher an dessen oestlichen Ende mit dem Gleichnamigen Vulkan anzutreffen. Hier wird naemlich kraeftig Lava gespuckt, was den Arenal Vuklan zu einem der aktivsten Vulkane der Erde aufsteigen liess. Jedoch trennten mich noch gute 20 Kilometer von einem guten Standort, um dieses Specktakel gerade nachts zu begutachten. Der Pistenzustand hatte auf diesen letzten 20km die Kroenung der vergangenen 500 Pistenkilometer. So konnte ich auch schon mal einen ganzen Tag fuer diese Strecke verbuchen, mit dem Hoehepunkt der Durchquerung des reissenden Rio Caño Negro, wo mir das Wasser bis zur Huefte stand und ich einen Quad Fahrer im wahrsten Sinne aus dem Wasser ziehen musste…
Buckliger Countdown; suedlich des Arenalsees
Durchquerung des Rio Caño Negro
Der Arenalvulkan hatte von meinem schoenen Standort jedoch nicht viel von seiner "Nightshow" preis gegeben. Ab und zu sah ich, begleitet vom maechtigen grollen einen Lavaklumpen aus der Wolkendecke herunter rollen. Zugern haette ich auch nur einmal desen Krater gesehen, wenigstens bei Tag, was mir an 3 aufeinanderfolgenden Tagen, mit Sichtweite zum Vulkan nicht gelungen ist. So rollte ich weiter Richtung Poas Vulkan, wo es sogar eine Strasse zum 2700m Kraterrand gibt. Doch bei der Anfahrt musste ich feststellen, dass ich meinen Reisepass gute 70km hinter mit in einem Internetcafe vergass. Jetzt haette ich ja sagen koennen, pech gehabt, hast ja noch einen zweiten einstecken, doch einen ohne Costa Cica Einreisestempel, was bei der Ausreise zu dummen fragen fuehren koennte. So setzte ich mich in den naechsten Nachtbus, fuhr zurueck nach Fortuna und hoffte auf Fortuna! Die Nacht verbrachte ich gleich mal bei der Polizei und am kommenden Morgen holte ich meinen Pass ab. Nun wollte ich nicht nocheinmal die gleiche Strecke radeln und die Wolken hangen zusaetzlich noch tiefer, das ich mir das Abenteuer Poas sowieso abschminken konnte. Ich nahm die kuerzeste Strecke zum zentralen Hochland nach San Ramon. Hier auf 1000m Hoehe beginnt das Herz Costa Ricas so richtig zu schlagen. Hier lebt der ueberwiegende Teil der Bevoelkerung. Diesen Herzschlag nahm ich vorallem in der Zunahme des Verkehrs wahr. Ich naeherte mich der hecktischen Hauptstadt, San Jose, und fuhr gleich weiter bis nach Cartago, am fusse des Irazu.
aus diesem Blickwinkel hatte ich die Nightshow des Arenal Vulkans gebucht
Strassenszene in San Jose
Nochmal richtig Ausspannen, dachte ich mir, und griff in den Geldbeutel und investierte nach ueber 3 Wochen mal wieder in eine warme Dusche, weiches Bett und Kabelfernsehn mit Beckmann & co… Ich wollte fit sein, in welcher Richtung ich am Morgen meinen Lenker auch schwenken mag. Zum einen gab es hier die zweite Moeglichkeit ueber eine Strasse an den Kraterrand des Irazu auf 3432m Hoehe zu gelangen, oder gleich ueber den Cerro de Muerte, dem hoechsten Strassenpunkt der gesamten Panamericana zwischen Alaska und Feuerland zu fahren. Ich entschied mich fuer letzteres, was ich sowieso gemacht haette. So ersparte ich mir die Qual eines Anstieges zum Vulkan mit der wahrscheinlichen Aussicht gleich Null, wie den Wolken zu entlesen war. Also ging es in suedlicher Richtung gleich nach dem Verlassen von Cartago richtig zur Sache. Ueber 73km windet sich die Strasse in die Hoehe. Gluecklicherweise ist die Steigung vertraeglich, sodass ich nicht einmal auf das kleine Kettenblatt umschalten musste. Aber leider musste ich mir auch jeden einzelnen Kilometer selbst ertreten, und kommte von keinem langsam am Berg schnaufenden Laster als Lift gebrauch machen. Kurz hinter Empalme dann eine Vollsperrung. Noch war keine Polizei und Krankenwagen zu sehen. Und auf der Strasse auch recht wenig, ausser einer durchbrochenen Leitplanke und ein paar Leuten, die schockiert in die Tiefe blickten. 20m tiefer am Abhang war das Fahrwerk eines Trucks zu erkennen und eine ganze Menge Holz, was wohl seine Ladung war. Diesem Truck muessen nur wenige Minuten vor meiner Ankunft die Bremsen durchgegangen sein, und der Cerro de Muerte, uebersetzt der Todesberg, hatte sein Opfer fuer heute. Der Berg traegt allerdings seinen Namen schon wesentlich laenger, noch bevor es ueberhaupt einem Truck die Bremsen vergluehte und die Fahrer mit sich in den Tod riss. Vor ueber 100 Jahren trieben die Bauern ihr Vieh von San Isidro rueber nach San Jose zum Markt. Bei Wetterwechseln in luftiger Hoehe sollen dabei so manch ein Bauer erfrohren sein, und das mitten in den Tropen!!
Toedliches Ende am Todesberg
Nach gut 6 Stunden und mittlerweile weit ueber den Wolken zeigte das GPS Geraet eine Hoehe von 3348m an. Das ist somit mein hoechster Punkt auf dem ich jemals war, den ich jemals erradelte und auf dem ich jemals schlief. Und ausserdem ein gutes Trainingslager fuer die Anden, die schon bald anstehen werden. In der Nacht nahm ich bei erfrischenden 4 Grad eine Auszeit aus den Tropen, und Atmete bei duenner Luft nochmal tief durch, bevor ich tags darauf mit Gegenanstiegen etwa 3500m in die tiefe rollte und erst an einem Pazifikstrand meine Bremsen zog. So verlebte ich innerhalb kuerzester Zeit einen Temperaturanstieg von sage und schreibe 32 Grad.
Am Ende der Koenigsetappe
So war das also in Costa Rica und nun bin ich auf Panama, das Achte und letzte Land in Mittelamerika gespannt.