Bezauberndes Galapagos
Nach einer gemeinsamen Nacht mit Isa in Trujillo, brachen wir auch schon wieder auf, um die lange Busfahrt nach Ecuador anzutreten. Nach knapp 20 Stunden erreichten wir Guayaquil, die groesste Metropole Ecuadors. Am Morgen des 18. April ging unser Flug von dort aus zum Galapagos Archipel.
Als wir aus dem Flugzeug stiegen, erschlug uns eine Hitzewelle foermlich. Kein Wunder, denn wir waren zurueck am Aequator. Bei meinem ersten Aufenthalt am Aequator vor ein paar Wochen, mitten in den Anden auf ca. 3000m, war die Temperatur noch Fruehlingshaft und das Aequatorschild schien mir ein wenig fehl am Platze zu sein. Doch hier draussen, etwa 1000km vor der ecuadorianischen Kueste gelegenen Galagagos Inseln, herrscht ein ganz besonderes Klima. Ein Mikroklima, was sich bezueglich auf Flora und Fauna nicht in die inneren Tropen eingliedern laesst. Ueberhaupt faellt es schwer, Galapagos irgendwo einzugliedern, denn es ist nicht moeglich. Die Inseln sind einzigartig auf der Welt, und jeder der sie einmal besuchen durfte wird verstehen, dass es sehr schwer faellt die richtigen Worte zu finden, um diese Einzigartigkeit zu beschreiben.
Viele der Tiere und Pflanzen sind endemisch, also nur auf Galapagos, bzw. auf einzelnen Inseln im Archipel anzutreffen. So trifft man hier beispielsweise auf die noerdlichste Pinguinkolonie der Erde, auf etliche Voegel, die einfach nie Feinde im Laufe ihrer Evolution hatten und auch heute dem Menschen gegenueber keine Furcht zeigen. Oder ein Kormoran, der soviel Fisch vorfindet, das er glatt das Fliegen verlernte. Praehistorisch wirkende Echsen die sich je nach ihrer Art aufs Land oder Wasser spezialisiert haben. Albatrosse, die bei ihrem belustigenden Landeanflug einen fast umfliegen oder Seeloewen, die so faul an Land wirken und im Wasser uns staendig zum Spiel auffordern. Das beeindruckenste sind jedoch sicherlich die Riesenschildkroeten, die je nach ihrer Art bis zu 250 Jahre alt werden koennen. Von den einst 14 Arten sind dreieinhalb Arten bereits vom Menschen ausgerottet. Ich schreibe dreieinhalb, weil es von einer Art nur noch ein uebrig gebliebenes Maennchen gibt, der angesichts dieser Einsamkeit beruehmt wurde. Ich spreche vom Einsamen Georg. Alle Bemuehungen der vergangenen Jahrzehnte, ein Weibchen seiner Art zu finden, schlugen fehl. So lebt Lonesome George seit Jahren in der Charles Darwin Station und wartet, wartet, wartet…
Bevor es soweit war, auf Entdeckungsreise zu gehen, mussten erst noch ein paar Huerden ueberwunden werden. Das fing gleich am Flughafen an. Unser Boot, die Friendship war angeblich kaputt und musste im Hafen von Puerto Ayora, dem Hauptort der Insel Santa Cruz, repariert werden. Jedoch bekam Isa und ich eine Extrabehandlung, was uns doch sehr verwunderte, weil ja alle Passagiere gleich von den Reparaturmassnahmen betroffen waren. Fuer uns beide stand jedenfalls ein Sondergesandter zur Verfuegung, die uns erklaerte, das wir auf ein anderes Boot muessten. Der wahre Grund, Ueberbuchung, wurde jedoch nie in den Mund genommen. Jedenfalls fuhren wir mit der Person, getrennt von der Gruppe im Taxi nach Puerto Ayora, wo als erstes unser Rueckflug um einen Tag verlaengert wurde. Danach bekamen wir eine Nacht im Hotel bezahlt, und wurden regelmaessig zu den Mahlzeiten abgeholt, die bereits bezahlt waren. Wir befanden uns also in guten Haenden und wunderten uns nur, was wohl aus den anderen Passagieren geworden ist.
Der Extratag in Puerto Ayora war ganz angenehm. So konnten wir den Reisestress der vergangenen Tage erst einmal ohne schwankenden Boden gut ausschlafen und natuerlich die Stadt besichtigen. Wir schlaenderten am Wasser entlang, wobei wir gleich merkten, das dieser Fleck der Welt ein ganz besonderer ist. Zuerst waren wir ganz begeistert, als wir unsere ersten Marin Iguanas, die Wasserechsen, ueber den Steg krauchen sahen. Doch dann wurde es gleich viel unglaublicher, als wir zum Fischmarkt herueberblickten. Dort war naemlich schon Schlange anstehen angesagt. Und weitere Besucher trafen im Minutentakt ein. So kam ein Seeloewe ploetzlich die Treppe aus dem Meer hoch und zeigte nicht gerade die besten Manieren, denn er stellte sich nicht hinten in der Schlange an, sondern stupste die wartenden Gaeste, mehrheitlich braune Pelikane, einfach zur Seite. Wir betrachteten das Spektakel aus unmittelbarer Naehe, als sich ein Blaureiher nur einen Meter neben mir landete. Welch ein Vorgeschmack in solch einer kleinen lebhaften Stadt.
Mit einem Tag Verspaetung waren wir nun endlich an Bord unseres Ersatzbootes, der Free Enterprice, angekommen. An keinem der folgenden 8 Tage an Bord haben wir auch nur eine Sekunde beraeut. Die mitreisenden Gaeste waren alles tolle Leute aus weiten Teilen der Welt. Als wir an Bord kamen, waren bereits einige Passagiere dort, die unseren zweiten Teil der Kreuzfahrt bereits hinter sich hatten. Diese Gaeste verliessen nach unseren ersten 4 Tagen das Boot und neue Leute kamen an Bord. So lernten wir nicht nur eine Menge Tiere, sondern auch viele interessante Menschen kennen, sowie natuerlich die Crew, die in 7 Wochenschichten nonstop an Bord arbeitet.
Zuerst Besichtigten wir Riesenschildkroeten auf Santa Cruz Island, bevor wir am spaeten Abend in Richtung Rabida Island ablegten. In einer ersten nordwestlichen Schleife besichtigten wir verschiedene Besucherstandorte auf Santiago Island, BartolomĂ© und Seymor Norte, bevor wir vor Baltra Island, der Flughafeninsel die neuen Passagiere empfingen. Danach fuhren wir eine suedoestliche Schleife ueber Plaza Island, Santa Fe Island, Espaniola Island und Floreana Island zurueck nach Puerto Ayora. Die See war Glücklicherweise sehr ruhig, was unsere Seekrankheit in Grenzen hielt. Nur bei den laengeren Ueberfahrten von Santa Fe nach Espaniola und Floreana nahmen wir sicherheitshalber die Tabletten.
Das Leben an Bord war sehr relaxed und ein Tagesrythmus sah wie folgt aus; Fruehstueck 7.00 Uhr, erster Landgang 7.45 Uhr, Besichtigung eines Besucherstandortes fuer ca 2 Stunden, Schnorcheln vom Strand und Rückkehr zum Boot. Mittagessen und Zeit zum Entspannen, waehrend das Boot unserer Nachmittagsziel anfaehrt. Der Nachmittag verlaeuft aehnlich, bis es gegen 19.00 Uhr eine kurze Konferenz an Bord gibt, wo der kommende Tag beschrieben wird. Anschliessend Abendessen uns Wuerfeln bis tief in die Nacht. Das Boot legt in der Nacht die laengeren Strecken zwischen den Inseln zurueck, sodass wir uns Morgens, nach dem Aufwachen, immer in einer anderen wunderschoenen Bucht wiederfanden.
Nun will ich einfach eine kleine Auswahl der Bilder sprechen lassen, die unsere 9 Tage im Archipel zum Traum werden liessen…
Ankunft auf Baltra Island, Galapagos
Puerto Ayora, Santa Cruz
Wartende Besucher des Fischmarktes
Schildkrötenpanzer mit menschlichem Inhalt
Meeresechse beim Sonnenbad
Ungewöhnliche Blütenpracht; Santa Cruz
Überall blüht und grünt es gegen Ende der Regenzeit; Rabida
Kontrastreiche Landschaft; Rabida
Seelöwenbaby beim Mittagsschlaf; Rabida
Krabben bevölkern alle Inseln zu tausenden
Meeresechsen sind auch allerorts anzutreffen
unsere Yacht ankert häufig in Reichweite und lädt zum Landgang per Freistil ein
Sonnenbranntgefahr beim stundenlangen Schnorcheln
Pinguine nur unweit vom Äquator
Blick von BartolomĂ© über die Vulkanlandschaft der größeren Schwesterinsel Santiago
Jungpelikan (5 Monate) sitzt auf Junglava (150 Jahre) vor dem Wahrzeichen Galapagos’, dem Pinnacle Rock
Fregatvogel bei der Balz; Seymour Norte
Das Schnorcheln mit bis zu 3m langen Haien war ein besonderes Erlebnis, auch wenn uns die berühmten Hammerhaie verborgen blieben.
Landleguane sind größer und bunter als ihre Verwandten im Wasser
Blaufußtölpel sind lustige Zeitgenossen; Plaza Sur
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Seelöwenkolonie blockiert Landgang; Santa Fe
Lavaeidechse; Santa Fe
Eidechsen können Gliedmaßen verlieren und wieder nachwachsen lassen
Auslöser der Evolutionstheorie, der Darwinfink
Ein besonders schönes Galapagosexemplar…
Meeresechsen und Seelöwen teilen sich den Strand; Espaniola
Maskentölpel sind die größten der 3 Tölpelarten auf Galapagos
Endemische Seemöwenart beim selten zu sehenden Brauttanz
Albatrosse leben für Monate auf hoher See und kommen zur Eiablage nur nach Espaniola
Der Albatros ist mit bis zu 2.50m Flügelspannweite ein wahrer Meister der Lüfte
Abschied von Galapagos und den Riesenschildkröten bei der Charles Drawin Station, Puerto Ayora

